Das Rad der Zeit

17. Februar 2011, 18:50
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Die Garmisch-Partenkirchner hatten großes Glück mit dem Wetter. Die Speed-Disziplinen konnten ausgetragen werden wie im Zeitplan ...

Die Garmisch-Partenkirchner hatten großes Glück mit dem Wetter. Die Speed-Disziplinen konnten ausgetragen werden wie im Zeitplan vorgesehen, die Ruhetage konnten zur Ruhe genutzt werden, und das ist nicht oft vorgekommen in der Geschichte von Weltmeisterschaften.

Und als am Donnerstag die Natur erstmals den Zeitplan korrigierte, der Nebel kam und sich auf die Kandahar-Strecke hockte, den Start des Riesenslaloms der Damen hinausschob, wurden im Fernsehen wieder einmal die Bilder von der WM 1978 im bayerischen Luftkurort gezeigt.

Man sah den großen und schweigsamen Schweden Ingemar Stenmark den Slalom gewinnen, man sah den Steirer Sepp Walcher selig im Abfahrtslauf siegen.

Man sah, wie sie mit ihren langen und dünnen Latten ungepanzert und mit enger Skiführung mit Umsteigschwüngen durch die Slalomtore kurven. Man sah eine Abfahrtshocke, die der heutigen entfernt ähnlich sieht. Man sah niedrige Zäune neben der Rennstrecke und hohe Bäume dahinter, schließlich harrten die Hochsicherheitsnetze noch ihrer Erfindung. Drüben in Innsbruck dann erinnerte Benjamin Raich daran, dass der Skisport nicht in jüngerer Zeit gefährlich geworden ist, sondern dass er das immer war. "Früher hat es sogar Tote gegeben."

Sicher trägt das aggressive Material Schuld an vielen Verletzungen, aber das wurde auch deshalb entwickelt, weil der materielle Wert des Sieges stets gestiegen ist. Die taillierten Skier brauchen immer härtere Pisten, auf dass diese den Kanten standhalten, was wiederum nicht jeder Rücken aushält. Die Idee, das Rad der Zeit ein Stück zurückzudrehen, ist gar nicht so verrückt. Die Netze und die Panzer können ja bleiben. ( Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 18.02.2011)

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