Deutsch oder amerikanisch – who cares?

17. Februar 2011, 19:28
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Die Nationalität vom Eigentümer ist weniger wichtig als gedacht – auch bei der neuen Superbörse

Die Fusion der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange /Euronext hat in den USA Ängste vor einer Übernahme durch die „Krauts“ ausgelöst. Schließlich werden 60 Prozent der gemeinsamen Gesellschaften von den Aktionären der Deutschen Börse gehalten.

Aber auch in Frankfurt gibt es keine Jubelstimmung. Dort fürchtet man, dass von nun an die strategischen Entscheidungen in New York fallen werden. Schließlich wird NYSE-Vorstandschef Duncan Niederauer der Chef des neuen Börsenriesen. Reto Francioni wird Verwaltungsratsvorsitzender, formal Niederauers Vorgesetzter, in der Wirklichkeit des Unternehmensalltags aber wird er die zweite Geige spielen.

Aber insgesamt muss man sich überlegen, was bei dieser – und vielen anderen Übernahmen – die nationalen Schilder eigentlich bedeuten. Wie deutsch ist die Deutsche Börse – mit Aktionären die zum Großteil aus dem anglo-amerikanischen Raum stammen und einem gebürtige Schweizer als Vorstandschef? Wie amerikanisch ist der Börsenkonzern NYSE/Euronext, die Börsen auch in fünf verschiedenen europäischen Hauptstädten betreibt?

Die New Yorker Börse mag sich zwar noch ziemlich amerikanisch fühlen, und die dort tätigen Banken und Broker sind es auch. Aber immer mehr Anlegergelder stammen aus asiatischen oder anderen Schwellenländern, wo sich die Exportüberschüsse ansammeln, die investiert werden müssen.

Nationale Regierungen haben auch in der globalisierten Welt ihre Bedeutung behalten. Aber die Frage der Nationalität des Eigentümers ist lang nicht mehr so wichtig, wie es oft erscheint. Sind im heimischen Bankensektor Bawag PSK (amerikanisch) und Bank Austria (italienisch) wirklich so anders als Erste Group und Raiffeisen? Ist Produktauswahl oder Strategie bei Rewe anders als bei Spar?

Alle Warnungen der vergangenen Jahre vor einem „Ausverkauf“ von angeblich strategisch wichtigen oder auch nur bekannten Unternehmen, ob in Österreich und anderswo, haben sich im Nachhinein als grundlos erwiesen. Es gibt gute und schlechte Eigentümer, und wo sie sitzen, ist ziemlich egal.

Das gilt auch für die wachsende Aussicht auf Übernahmen europäischer und amerikanischer Gesellschaft durch chinesische Konzerne. Auch dies macht China nicht mächtiger, und die Wirtschaft in den Industriestaaten nicht chinesischer. In Branchen mit funktionierendem Wettbewerb ist der Spielraum ausländischer Eigentümer immer sehr eng begrenzt.   

Auch für die Mitarbeiter und Aktionäre der beiden fusionierenden Börsen wird es nicht entscheidend sein, wo die Entscheidungen fallen, sondern welche Entscheidungen angesichts des immer härter werdenden Wettbewerbs in dieser Branche gefällt werden. Nicht der Pass des neuen Superchefs Niederauer sollte wichtig sein, sondern seine Qualität als Manager.

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