Ben Ali liegt angeblich im Koma

17. Februar 2011, 19:07
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Nach Schlaganfall in Krankenhaus von Jeddah eingeliefert - Kanada will Details zu Vermögenswerten

Tunis - Einen Monat nach seiner Flucht ist der ehemalige tunesische Präsident Zine el Abidine Ben Ali nach Angaben eines Vertrauten durch einen Schlaganfall ins Koma gefallen. Ben Ali liege seit Dienstag in einem Krankenhaus im saudiarabischen Jeddah im Koma, sagte der Freund der Familie am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Der 74-Jährige war nach 23 Jahren Herrschaft nach Massenprotesten aus seiner Heimat geflohen.

"Er ist in einem kritischen Zustand", sagte der Freund der Familie Ben Alis in einem aus einem Golfstaat geführten Telefonat mit AFP. Zuvor hatten bereits Gerüchte über die schlechte gesundheitliche Verfassung Ben Alis kursiert. Auf Anfrage hatte die tunesische Übergangsregierung am Donnerstag noch erklärt, sie wolle Berichte über eine Einweisung des Ex-Staatschefs ins Krankenhaus "weder bestätigen noch dementieren". Aus einer regierungsnahen Quelle verlautete hingegen, die Informationen zur Verschlechterung von Ben Alis Zustand "stimmten überein".

Die tunesische Tageszeitung "Le Quotidien" hatte am Donnerstag berichtet, dass Ben Ali einen Hirnschlag erlitten habe. Sie berief sich auf den französischen Blogger Nicolas Beau. Demzufolge wird Ben Ali aus Sicherheitsgründen unter der Identität eines "saudiarabischen Emirs" behandelt. 

Täuschungsmanöver

Die Regierung in Tunis hat alle Spekulationen zurückgewiesen, der vor einem Monat gestürzte tunesische Diktator Zine el Abidine Ben Ali sei angeblich lebensgefährlich erkrankt. Es gebe keine offizielle Bestätigung, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag.

Der langjährige tunesische Oppositionelle Moncef Marzouki befürchtet ein groß angelegtes Täuschungsmanöver. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Ben Ali selber das Gerücht in die Welt gesetzt habe, um einer Verfolgung durch die tunesische Justiz zu entgehen, sagte er dem französischen Sender RTL. "So lange es keine offizielle Stellungnahme eines Arztes gibt, handelt es sich vermutlich um eine Manipulation", meinte er.

Details zu Vermögenswerten

Die kanadische Regierung hat von Tunesien Einzelheiten zum Vermögen von Vertrauten Ben Alis angefordert. Bisher habe die tunesische Übergangsregierung nicht auf Bitten reagiert, genaue Informationen zu den Vermögenswerten in Kanada zu liefern, die eingefroren werden sollten, sagte der stellvertretende Justizminister Bob Dechert am Donnerstag vor dem Parlament. Die Opposition hatte zuvor kritisiert, dass die kanadische Regierung zu langsam reagiere.

Auch der tunesische Botschafter in Ottawa, Mouldi Sakri, hatte am Mittwoch das Kabinett von Premierminister Stephen Harper gedrängt, "rasch" den Besitz der Mitglieder des Clans von Ben Ali sicherzustellen. Vergangenen Monat hatte Tunis offiziell die Einfrierung von Vermögenswerten verschiedener Vertrauter des Ex-Präsidenten beantragt. Zugleich verlangte die tunesische Übergangsregierung die Auslieferung von Ben Alis Schwager Belhassen Trabelsi. Der mächtige Geschäftsmann war am 20. Jänner in seinem Privatjet nach Kanada gekommen.

Suche via Interpol

Ben Ali hatte Tunesien 23 Jahre lang autoritär regiert. Infolge von vierwöchigen Massenprotesten der Opposition musste der gestürzte Staatschef schließlich am 14. Jänner fliehen. Ben Ali wird via Interpol mit internationalem Haftbefehl gesucht, weil er sich illegal bereichert und Geld ins Ausland geschafft haben soll. Auch seine Frau Leila Trabelsi und weitere Familienangehörige sollen illegal ein Vermögen angehäuft haben. Die EU fror daher Anfang des Monats das gesamte Vermögen von Ben Ali, seiner Frau und 46 weiteren Familienangehörigen in allen Ländern der Europäischen Union ein. (APA)

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