Verletzte bei neuen Protesten

17. Februar 2011, 16:26
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Polizei verlor Kontrolle und zog sich bei Zusammenstößen von Regierungsanhängern und -gegnern zurück

Sanaa - Im Jemen haben sich Anhänger und Gegner der Regierung den siebenten Tag in Folge heftige Auseinandersetzungen geliefert. Mehr als Tausend Menschen forderten in der Hauptstadt Sanaa ein Ende der seit 32 Jahren währenden Herrschaft von Präsident Ali Abdullah Saleh. "Das Volk will den Sturz des Präsidenten, das Volk will den Sturz des Regimes", rief die aufgebrachte Menge. Dutzende Demonstranten wurden bei den Straßenschlachten verletzt und weggetragen. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe anscheinend die Kontrolle über aufeinander losgehenden Gruppen verloren und sich zurückgezogen. Aus Polizeikreisen erfuhr Reuters, dass die Bereitschaftspolizei im Einsatz sei.

Die Situation war eskaliert, nachdem Unterstützern des Regimes mit Messern und Knüppeln auf rund 1500 Regierungsgegner - überwiegend Studenten - losgegangen waren. Einige Protestteilnehmer warfen darauf ihrerseits Steine. Die Polizei habe Warnschüsse in die Luft gefeuert, berichteten Augenzeugen, ohne weiter in das Geschehen einzugreifen. Einem Fotografen der Fotoagentur epa nahmen Regimeanhänger die Kamera weg.

Berichte über Tote

Am Mittwoch waren zehn Studenten bei ähnlichen Zusammenstößen mit Regierungsanhängern verletzt worden. Hunderte Demonstranten hatten dabei versucht, bis zum Präsidentenpalast in Sanaa vorzudringen. Unbestätigten Berichten zufolge wurden zwei Menschen getötet. Auch in der südlichen Hafenstadt Aden kam es zu Gewalt.

Saleh steht derzeit stark unter Druck. Unter dem Eindruck der Proteste in Ägypten und Tunesien fanden auch im Jemen Demonstrationen gegen das Regime statt. Der seit 1978 amtierende Staatschef kündigte daher an, nach dem Ende seiner Amtszeit 2013 nicht erneut für das Präsidentenamt zu kandidieren. Zudem schloss er eine "Erbfolge an der Staatsspitze" aus. Die jemenitische Regierung wird in der Bevölkerung scharf kritisiert, weil sie den Kampf gegen Al-Kaida immer mehr den USA überlässt. Anders als in anderen arabischen Ländern beteiligt sich die im Parlament vertretende Opposition seit einer großen Kundgebung Anfang Februar nicht an den Protesten. Sie setzt vorerst auf die Versprechen der Regierung, Reformen einzuleiten.

Der Jemen ist eines der ärmsten Länder der arabischen Welt. Ein Drittel der Bevölkerung hungert. 40 Prozent der Menschen leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. (APA/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zusammenstöße in Sanaa: Regierungsgegner (im Bildvordergrund) und Regierungsanhänger bewerfen einander mit Steinen.

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