VP- und SP-Frauen machen mobil

17. Februar 2011, 17:03
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Ruf nach einer gesetzlichen Frauenquote wird lauter - Vorschläge von SPÖ und ÖVP sind den Grünen aber zu wenig

Wien - Schluss mit lustig: Die einzige Möglichkeit, dass sich etwas beim Frauenanteil in Spitzenfunktionen ändere, sei eine Frauenquote - zu diesem Schluss kommt ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm.

Die Arbeiterkammer (AK) Wien veröffentlichte am Donnerstag Zahlen, wonach nur jedes zehnte Aufsichtsratsmitglied weiblich ist. Bei den untersuchten Top-200-Unternehmen liege der Anteil der weiblichen Vorstände bei "mageren" 4,4 Prozent und sei gegenüber dem Vorjahr sogar noch gesunken, sagte AK-Chef Herbert Tumpel.

Die AK drängt jetzt auf eine gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent bei der Besetzung von Aufsichtsratsgremien. "Trotz heftiger öffentlicher Diskussion und vieler Versprechungen seitens der Wirtschaft hat sich an der Männerdominanz in den heimischen Führungsetagen nichts geändert", kritisierte Tumpel.

Um eine Veränderung voranzutreiben, will Dorothea Schittenhelm für all jene Unternehmen und Institutionen, bei denen der Staat ein Mitspracherecht hat, eine Frauenquote für Spitzenfunktionen. "Wenn wir als Staat nicht vorangehen, wieso sollte es dann der Private wollen und tun?", fragte Schittenhelm. In der ÖVP gelte zwar eine 30-Prozent-Quote bei der Listenerstellung, damit sich die Frauen aber nicht nur auf den hinteren Plätzen finden, soll künftig das Reißverschlussprinzip gelten.

Quote begeistert nicht alle

Zustimmung hierzu erwartet sie sich nicht von allen in der Partei, räumte sie ein. Obmann Josef Pröll jedoch wisse sie hinter sich. Die SPÖ hat das Reißverschlussprinzip übrigens bei ihrem Parteitag im vorigen Sommer beschlossen. Familienstaatssekretärin Verena Remler (ÖVP) zumindest setzt noch auf Ausbildung und Vernetzung.

Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hält weiterhin nichts von einer gesetzlichen Quote. Zwar sagte sie in einer Stellungnahme zu den AK-Zahlen: "Mit Freiwilligkeit kommen wir ganz offensichtlich nicht weiter" - dennoch hofft sie auf eine Selbstverpflichtung der Firmen. Mit Kritik reagierten darauf die Grünen: "Eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft zu Frauenquoten bis zum Jahre Schnee bringt nichts", sagte die grüne Frauensprecherin Judith Schwentner.

Statt einen Gesetzesvorschlag für Quoten zu erarbeiten, stecke Heinisch-Hosek ihre Energie weiterhin "völlig sinnlos" in den Ausbau der freiwilligen Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Das BZÖ sprach sich gegen eine Quotenregelung aus. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Printausgabe 18.2.2011)

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    Heinisch-Hosek setzt auf Freiwilligkeit statt Gesetz.

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    Schittenhelm will mehr Fairness bei Parteilisten.

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