"Mache ganz sicher weiter"

17. Februar 2011, 14:58
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32-jährige Tiroler, der nach dem ersten Kreuzbandriss seiner langen Karriere sechs Monate ausfällt, setzt seine Karriere fort

Sanatorium Kettenbrücke, Patienten-Café, 14.30 Uhr. Benjamin Raich, der Profi, kommt auf Krücken hereingehumpelt, der ORF kann pünktlich seinen Live-Einstieg machen. Und der Patient Raich erzählt, dass es ihm schon besser gehe, die Niedergeschlagenheit nach der Diagnose vorbei sei, dass es ab sofort gelte wieder fit zu werden, dass er natürlich weitermachen werde.

Raich (32) muss sechs Monate pausieren. Am Mittwoch im Teambewerb war ohne Sturz aufgrund einer Überbelastung das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen und der Außenmeniskus eingerissen.

Die Operation glückte, dauerte 45 Minuten. Das Chirurgenteam Karl Golser und Gernot Sperner ersetzte das Kreuzband durch ein körpereigenes Sehnentransplantat. Golser: "Die Knorpel und Sehnen im Knie schauen aus, als hätte er nie Sport betrieben. Ein jugendliches Knie." Raich: "Jetzt ist es repariert, jetzt geht es wieder bergauf." Golser hatte im Oktober 2008 Raichs Freundin Marlies Schild wiederhergestellt - nach einer wesentlich schwereren Verletzung, einem Trümmerbruch im Unterschenkel.

Ob er, Raich, im Moment des Risses, den er als Knacksen wahrnahm, daran gedacht habe, das Skirennfahren zu lassen? "Keine Sekunde und jetzt spüre ich schon wieder einen gewissen Mut." Dazu trug auch das Tiramisu in der Früh bei. "Wäre ich noch bei der WM, hätte ich mir das sicher nicht gegönnt." Raich fühlt sich gut versorgt, bis Samstag bleibt er noch in der Klinik.

Raich, der sich in seiner Karriere noch nie ernsthaft verletzt hatte, aber beim Super-G in Kitzbühel einen vermutlich folgenschweren Sturz haarscharf vermieden hatte: "Da habe ich großes Glück gehabt, das ist mir auch durchaus bewusst", sagt der Pitztaler. "Ich habe das beim Skifahren immer wieder gehabt, auch sonst im Leben. Man braucht einfach Glück, wenn man überleben will, wenn man verletzungsfrei bleiben will."

Raich pflegt sich fürs Glück zu bedanken. Mit Pech hadert er nicht. "Gott sei Dank bin ich nicht gestürzt, dann hätte es noch ärger ausgehen können. Ich bin es ernst angegangen, war gut aufgewärmt, voll konzentriert, motiviert, nüchtern. So wie ich das seit 25 Jahren mache." Einen Vorwurf würde er sich machen, wäre er nicht nüchtern gewesen. "Das soll ja früher vorgekommen sein." Und wenn er den Teambewerb nicht gefahren wäre, dann hätte er trainiert und sich genauso verletzen können. "'Hätti, wari' gibt's für mich nicht."

Und wenn er an Hans Grugger denke, "dem es wieder gutgeht, dann relativiert sich alles, wenn ich das vergleiche, dann sind das ja Peanuts, was ich da habe." (Benno Zelsacher aus Innsbruc, DER STANDARD Printausgabe 18.02.2011)

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    Raich: "Ich bin zwar beim Krückengehen ziemlich ungeübt, aber das werde ich schon lernen."

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