Barbra gegen Uschi

17. Februar 2011, 13:55
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ÖVP Wien: jung, urban, sechsi.

Vor ein, zwei Wochen lud die ÖVP Wien zu einer Diskussionrunde ein. Thema: Rot-Grün, eine Bilanz. Die ÖVP unter Christine Marek, die einen ÖVP-internen Spitznamen haben soll, den einem sonst nur Feinde verpassen, hat ja bei der Wienwahl im Herbst bekanntlich eine Abfuhr bekommen. Und zwar in einem Ausmaß, das in Ländern mit richtiger politischer Kultur einen Rücktritt Mareks zur Folge gehabt hätte. Aber in Österreich ist die Rücktrittskultur ja verschwunden, nicht einmal mehr Nazisprüche oder rechtskräftige Verurteilungen haben heute Konsequenzen.

Die ÖVP will nun, nach äh, drei Monaten "Bilanz" von Rot-Grün ziehen? Lustig. Beim nächsten Mal vielleicht gleich vor der Wahl so eine Diskussion? Aber wer sonst nicht auffällt - außer mit der Weltidee, ein Spuckverbot zu erlassen - tut sich halt schwer mit der Selbstrechtfertigung. Dass so eine Veranstaltung dann ausgerechnet jemand vom "Falter" moderiert - auch seltsam.

Prinzipiell gilt: Die ÖVP hat ein Problem, sich als das zu positionieren, was sie nicht ist. Nämlich jung, urban, offen, weltmännisch. Gut, jung bringen sie vielleicht gerade noch zusammen, aber das ist keine Kunst, sondern der Lauf der Dinge. Und als wie "geil" ihre Politik eingeschätzt wird, hat die Wahl ja gezeigt. Ansonsten wirkt sie so, als hätte sie in der Stadtpolitik noch nie eine eigene Idee von Innen gesehen, zumindest keine, die nicht nach einem Verbot ruft.

Darunter leidet schon seit langem das Flex. Ansonsten hat die ÖVP in Wien eigentlich eh nicht viel zu melden, aber dem ersten Bezirk(smuseum) steht Ursula Stenzel vor, die Eiserne Lady der Inneren Stadt. Ihr verdankt das Flex eine Sperrstunde, bei der jede Dorfdisco vor Lachen weint. Das versucht das Flex schon lange zu ändern, mit Unterschriften, Petitionen, Gesprächen und und und.

Seit zwei Tagen ist nun ein Protestvideo online, dass den Säuselhit "Barbra Streisand" von Duck Sauce umdeutet und ein "copy_paste Ursula Stressned" draus gemacht hat. Eine Verzweiflungstat zwar, aber lustig. An die 50.000 Menschen haben sich das mit Wiener Party-Prominenz verwirklichte Video bislang angeschaut. Stenzels Reaktion darauf kommt im blaubraunen Verschwörungsidiom daher: "Die Spaßgesellschaft hat Profis eingeschaltet."

Immerhin hat diese "Gesellschaft" damit der ÖVP zwei Dinge voraus: Profis und Spaß.

 

(Karl Fluch, derStandard.at, 17.2.2011)

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