Klage von EU-Gericht abgelehnt

17. Februar 2011, 15:32
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WM und EM-Spiele auch weiterhin im Free-TV zu sehen

Zu wenig Popularität der eigenen Sportart, das kennen die hohen Herren des Fußballs nicht. Im Gegenteil, des lieben Geldes wegen gab es sogar das Bestreben, die Fans auszuschließen - im Sinne von Exklusivübertragungen im Pay-TV. Erhebliche Mehreinnahmen durch den Verkauf der Übertragungsrechte der Welt- und Europameisterschaften an Pay-TV-Partner hatten sich der Weltverband (FIFA) und der europäische Verband (UEFA) erhofft. Dem schob das zweithöchste EU-Gericht in Luxemburg am Donnerstag einen Riegel vor.

Belgien (WM) und Großbritannien (EM und WM) hatten die alle Spiele dieser Großveranstaltungen auf eine Liste von „Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" gestellt. Dadurch ist eine „Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs und der Niederlassungsfreiheit" gerechtfertigt. Was in diesem Fall nichts anderes bedeutet als das Verbot von Exklusivübertragungen auf Pay-TV-Sendern. Das Gericht bezeichnete diese Turniere als „Kronjuwelen", die im Sinne der EU-Bürger nicht angefasst werden dürfen. Diese nationalen TV-Schutzlisten seien mit dem Unionsrecht vereinbar.

In Österreich stehen auf dieser Schutzliste neben der Fußball-WM und -EM mit österreichischer Beteiligung bzw. das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel auch das Endspiel im österreichischen Fußball-Cup, die Olympischen Sommer- und Winterspiele sowie die Alpine und Nordische Ski-WM.

Klage von FIFA und UEFA abgelehnt

FIFA und UEFA hatten gegen Belgien und Großbritannien geklagt und argumentiert, dass nicht alle Spiele einer WM oder EM als „Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung" bezeichnet werden können. Das Gericht hatte die Klage abgelehnt, da die Wettbewerbe als Gesamtereignis gesehen werden müssen und nicht als Aneinanderreihungen von „Topspielen" und „Normalspielen". Aufgrund von Ergebnissen und Turnierverläufen, können auch "Normalspiele" Spiele große Bedeutung bekommen und dadurch besonderes Interesse der Bevölkerung hervorrufen.

Die FIFA argumentierte zudem, dass dem Sport durch die Übertragungen im Free-TV Millionen verloren gehen, die zur Qualität des Sports beitragen könnten. Auch darauf hatten die Richter eine passende Entgegnung. Die Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen würden dazu beitragen, dass das Interesse der Fans am Fußball wächst.

Durch das Urteil gelten diese Listen auch für andere Staaten wie Deutschland, Frankreich, Irland, Italien oder Österreich. Der Sprecher der EU-Kommissarin Neelie Kroes sagte dazu: "Das ist eine gute Nachricht für Leute, die wichtige Sportveranstaltungen sehen wollen, ohne dafür zu bezahlen."

Prozessbeobachter rechnen mit Berufung

Noch ist unklar, ob FIFA und UEFA gegen die Entscheidung in erster Instanz in Berufung gehen wollen. Prozessbeobachter rechnen allerdings damit, dass die Entscheidung von den Verbänden angefochten wird. Insbesondere der Weltverband hatte sich durch den Verkauf an einen Pay-TV-Partner sogar eine Verdoppelung der Einnahmen erhofft. Bei der WM in Südafrika 2010 verdiente die FIFA nach Abzug der Kosten rund 800 Millionen Euro - alleine an den TV-Rechten.

Schon die Vergabe der Weltmeisterschaften an Russland (2018) und Katar (2022) hatte weltweit für Empörung im Hinblick auf die Kommerzialisierung des Fußballs gesorgt. Die neuesten Pläne der FIFA gehen sogar für UEFA-Boss Michel Platini zu weit: „Im Sport hat Geld immer eine Rolle gespielt, aber der Zweck war es immer, Trophäen zu gewinnen und nicht Geld zu verdienen." (APA, SID, red)

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