Musikrundschau ... mit einem David-Lynch-Song

17. Februar 2011, 17:02
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Neue Alben von Mogwai, Cut/Copy, The Streets, LCD Soundsystem und Gil Scott Heron smart remixed

MOGWAI
Hardcore Will Never Die, But You Will
(Pias)
Das Lied "Mexican Grand Radio" klingt wie von einer frühen Stereolab-Platte - was kein Schaden ist, aber bei Mogwai, strengen Schotten, doch erstaunt. Verstärkt wird die Verwunderung durch Vocoder-Gesäusel, das den Stereolab-Effekt multipliziert. Auf ihrem siebten Longplayer beeindrucken Mogwai mit Abwechslungsreichtum und Dynamik, mit Härte und Schönheit, grimmigem Klang und Eleganz. Nichts Neues im Mogwai-Universum, aber in der Mischung welt. Live ist die Band am 8. März im Wiener Wuk zu erleben.

CUT/COPY
Zonoscope
(Modular)
Es kann nie genug New-Order-Alben geben - aber bitte von New Order. Die Australier von Cut/Copy versuchen sich wie die aufgelöste britische Band an melancholischem Dancefloor, bleiben dabei aber ermattet, so als würden sie sich das selbst nicht ganz glauben. Dass sie in "Take Me Over" behutsam Men At Work mit ihrer Hymne an das "Land Down Under" zitieren, ist lustig, rettet den Kuchen aber nicht. Der versinkt im Zitat-Germ, der von Velvet Underground über die Beach zu den Pet Shop Boys reicht. Wie originell.

DAVID LYNCH
Good Day / I Know
(Sundays Best / Pias)
David Lynch hat eine Single produziert. Das Lied "I Know" klingt so krank, wie seine Filme verstörend sind. Siecher Nichtgesang, dröge Beats, Geisterhaus-Stimmung, die von Gitarren zerrissen wird. "Good Day", das zweite Stück, kommt dem nicht nahe, ist bloß 08/15-Dancefloor mit Lynch-Aura. Das wär's gewesen. Weil es aber ein Album hat werden müssen, ließ der Meister sieben Remixe anfertigen. Füllmaterial für die Starbucks-Filiale Ihres Vertrauens.

THE STREETS
Computers And Blues
(Warner)
Wer die frühe Eleganz von Mike Skinner liebte, als er mit klobigen Bausteinen abenteuerliche elektronische Musik geschaffen hat und im Vorbeigehen ein Lebensgefühl mitlieferte, wundert sich über "Computers And Blues". Plumpe Sounds aus dem Vorgestern, blöde Texte, Kindergarten-Funk-Versuche. Keine Emphase, nicht einmal ein glaubwürdiges Phlegma bietet er 2011. Schuld daran hat Graz. Heißt es. Dort hat Skinner alias The Streets eine Synthesizer-Ausstellung besucht, die ihn zu diesem Album inspiriert haben soll, dass er - nach Lou Reed - sein Berlin-Album nennt. Ein Euphemismus für eine Aneinanderreihung von Irrtümern.

LCD SOUNDSYSTEM
The London Sessions
(DFA/EMI)
Bevor sich das LCD Soundsystem in New York Ende März, Anfang April mit einer Konzertserie verabschieden wird, erscheint mit den London Sessions so etwas wie ein Live-Dokument der vielleicht wichtigsten Band der letzten zehn Jahre. Live im Studio krachen und grooven sich James Murphy und Co durch zehn Stücke von drei Alben. Allesamt etwas leichtfüßiger als auf den Studio-Originalen, aber nicht so präzise. Dennoch, wenn man sich anhört, was sonst so erscheint.

GIL SCOTT-HERON / JAMIE xx
We're New Here
(XL/Beggars)
Im Vorjahr veröffentlichte der New Yorker Soul- und Funk-Musiker Gil Scott Heron das Album "I'm New Here", auf dem sich eine Weltnummer befand: "Me And The Devil" - ein elektrifizierter Höllengospel, an den der Rest des Albums nicht herankam. Nun hat Jamie Smith von der britischen Band xx das Album remixed. "Me And The Devil" ist nicht dabei. Daran gab es nichts zu verbessern. Was Jamie aus dem Rest macht, ist eine zeitgenössische Ghetto-Musik: minimale Elektronik, dazu die sonore Erzählstimme Scott-Herons. Atmosphärisch entfernt Smith sich damit unwesentlich von seiner Stammband, wenngleich diese kaum Dancefloor-Charakteristika aufweist. Kein großes Werk, aber eine gelungene Fingerübung mit einem späten Höhepunkt: "I'll Take Care Of You" von Brook Benton. (flu / DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2011)

 

  • Mogwai, am 8. März live im Wiener Wuk.
    foto: pias

    Mogwai, am 8. März live im Wiener Wuk.

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