ÖVP-Quote nach Reißverschlussprinzip

17. Februar 2011, 12:44
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Frauenquote für Spitzenfunktionen notwendig, ebenso die automatische gemeinsame Obsorge - Schittenhelm will am 19. März aber nicht demonstrieren

Wien - Die einzige Möglichkeit, dass sich etwas beim Frauenanteil in Spitzenfunktionen ändert, sei eine Frauenquote - zu diesem Schluss kommt ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm. Quoten müssten aber auch parteiintern umgesetzt werden. Schittenhelm hat deshalb am Donnerstag auf ein Reißverschlussprinzip bei der Erstellung von Wahllisten gedrängt. Bei einer Pressekonferenz stellte sie außerdem ihre neue Generalsekretärin, Bernadett Thaler, vor.

Für all jene Unternehmen und Institutionen, wo der Staat ein Mitspracherecht hat, sollte eine Frauenquote für Spitzenfunktionen gelten. "Wenn wir als Staat nicht voran gehen, wieso sollte es dann der Private wollen und tun", meinte Schittenhelm. In der eigenen Partei gelte zwar bereits eine 30-Prozent-Quote bei der Listenerstellung, damit sich die Frauen aber nicht nur auf den hinteren Plätzen finden, soll künftig das Reißverschlussprinzip gelten. Zustimmung hierzu erwartet sie sich nicht von allen in der Partei, räumte sie ein, Obmann Josef Pröll jedoch wisse sie hinter sich. Die SPÖ hat das Reißverschlussprinzip übrigens bei ihrem Parteitag im vorigen Sommer beschlossen.

Quoten-Selbstverpflichtung

Schittenhelm kann sich vorstellen, dass es etwa für die Besetzung von AufsichtsrätInnen vorerst eine Selbstverpflichtung gibt. Nach einer gewissen Zeit sollte allerdings evaluiert werden, ob sich etwas verändert hat. "Wunschziel ist natürlich 50:50", so die VP-Frauenchefin. Mit einer Quote von 30 Prozent in Entscheidungspositionen bis 2016 wäre sie aber schon sehr zufrieden. Sie rechnet damit, dass es in spätestens zwei Jahren ohnehin eine Verpflichtung dazu auf EU-Ebene geben wird.

Thaler komplettiert nun das Team der VP-Frauen. Die 29-Jährige war Generalsekretärin der JVP, an der Politischen Akademie Bereichsleiterin für Aus- und Weiterbildung und sei ein "Signal an junge Frauen", stellte sie Schittenhelm vor. Aus ihrer Tätigkeit als parlamentarische Mitarbeiterin kenne sie außerdem das Parlament. "Wir wollen eine starke Stimme sein, nicht nur in der Partei, sondern auch als Interessensvertretung", erklärte Thaler.

Pro: Automatische gemeinsame Obsorge

Themenschwerpunkt der VP-Frauen wird in diesem Jahr u.a. die Bildung sein. "Wir wollen eine neue Ausbildung für PädagogInnen", forderte Schittenhelm. Weiters sollen bereits in der Volksschule verstärkt Naturwissenschaften unterrichtet werden und ein verpflichtender Ethikunterricht kommen. Die Frauenchefin will weiters, dass die Zuverdienstgrenze für PensionistInnen fällt und der Pflegeurlaub auf zumindest zwei Wochen ausgeweitet wird. Was die Neuregelung der Obsorge betrifft, unterstützen die ÖVP-Frauen die Position von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, wonach Väter unehelicher Kinder ein Antragsrecht auf gemeinsame Obsorge erhalten sollen.

Contra: 20.000frauen - AUS!

Das Thema Bildung soll auch im Mittelpunkt der diesjährigen Aktivitäten zum 100. Frauentag stehen, denn Bildung sei entscheidend für die Beseitigung von Einkommensunterschieden. Die von einer Plattform organisierte Demonstration für Frauenrechte am 19. März in Wien werde man allerdings nicht unterstützen. "Ich halte nichts davon, für wenige Stunden auf die Straße zu gehen", begründete Schittenhelm, die sich lieber das ganze Jahr über für Frauen einsetzen möchte. (APA)

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    ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm.

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