"Guardian"-Korrespondent Harding verlässt Russland

17. Februar 2011, 12:26
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Moskau/London - Der beim Kreml in Ungnade gefallene Moskauer Korrespondent der britischen Zeitung "The Guardian" verlässt Russland wegen anhaltenden Drucks der Behörden. Der Journalist Luke Harding sagte am Donnerstag, dass das Leben für die Familie mit den beiden Kindern "unerträglich" geworden sei. Bereits im November habe ihm ein Funktionär bei einem Gespräch im Außenministerium in Moskau mitgeteilt, dass er unerwünscht sei. Harding, der wiederholt Ärger mit dem Inlandsgeheimdienst FSB hatte, war im Februar zeitweilig die Einreise verweigert worden.

Harding hatte den Angaben zufolge zwei Monate in London verbracht, um über die von der Internetplattform Wikileaks veröffentlichten US-Dokumente zu berichten. Dabei zitierte er auch aus Dokumenten, in denen es um angebliche Verbindungen zwischen russischen Regierungsvertretern, Oligarchen und dem organisierten Verbrechen geht. Ein spanischer Staatsanwalt wird mit den Worten zitiert, Russland sei ein "Mafiastaat" geworden.

Der Druck auf Harding hatte auch den jüngsten Besuch des Moskauer Außenministers Sergej Lawrow in London überschattet. Nach offiziellen Angaben hatte Harding die Regeln für das Arbeiten ausländischer Journalisten in Russland verletzt. "Es ist ein hässliches Spiel, und wir haben keine Sicherheit mehr", sagte Harding, der auch in Deutschland als Korrespondent gearbeitet hatte. Die Familie ziehe an diesem Montag wieder zurück nach London. Er gehe davon aus, dass der "Guardian" die Stelle aus Protest gegen den Druck russischer Behörden zunächst nicht wieder besetze, sagte Harding.

"Meine russischen Geister"

Der Fall gilt als der erste dieser Art seit Ende des Kalten Krieges. Ursprünglich hatte der seit vier Jahren in Moskau arbeitende Korrespondent noch zwei Jahre aus dem größten Land der Erde berichten wollen. Hardings aktuelles Visum läuft Ende Mai aus. Sein letzter Beitrag aus Russland werde "My Russian Ghosts" ("Meine russischen Geister") heißen. Die Familie klagt seit langem über Einbrüche mutmaßlicher Geheimdienstler in ihrer Moskauer Wohnung. (APA)

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