Bis zu sieben Tote bei Protesten gegen Gaddafi

17. Februar 2011, 16:06
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Opposition ruft zu "Tag des Zorns" - Unruhen gab es schon zuvor in Benghasi

Im seit Jahrzehnten von der Gaddafi-Diktatur beherrschten Libyen, das zwischen den beiden nordafrikanischen Unruheherden Ägypten und Tunesien liegt, rief die Opposition über soziale Netzwerke wie Facebook zu einem "Tag des Zorns" auf. Ob es tatsächlich zu den Protesten gegen die seit 40 Jahren bestehende Herrschaft von Machthaber Muammar Gaddafi kommen würde, bleib zunächst offen. Aus Oppositionskreisen hieß es am Donnerstag, seit Dienstagabend seien bei Zusammenstößen zwischen Gaddafi-Gegnern und der Polizei insgesamt sieben Menschen ums Leben gekommen. Fünf von ihnen seien in der Stadt Al-Baidha getötet worden, zwei in der Stadt Bengasi. Bei einer Protestaktion in der Stadt Al-Kubba hätten Demonstranten eine Polizeiwache in Brand gesetzt.

Die Proteste konzentrierten sich bisher auf die Städte im Nordosten des Landes. Die staatlichen Medien hatten zunächst nur über Proteste in Benghazi (Bengasi) in der Nacht zum Mittwoch berichtet. Von Toten war in diesen Berichten nicht die Rede gewesen. Dafür schenken die Staatsmedien den Pro-Gaddafi-Kundgebungen, die seit Mittwoch in mehreren libyschen Städten stattfinden, große Beachtung.

Oppositionelle haben für diesen Donnerstag zu einem "Tag des "Zorns" aufgerufen. In allen Städten des Landes sollen sich Regimegegner zu Kundgebungen versammeln, hieß es in dem Aufruf, der über Facebook verbreitet wurde. Die Proteste sollen an die Ereignisse des 17. Februar 2006 erinnern. Damals war eine Demonstration gegen die Mohammed-Karikaturen in Benghazi in eine Protestaktion gegen die libysche Führung ausgeartet. Es gab Tote und Verletzte.

Unruhen in Benghasi

Hunderte Demonstranten hatten sich in der Nacht zum Mittwoch in der ostlibyschen Hafenstadt Benghasi Auseinandersetzungen mit der Polizei und regierungsfreundlichen Gruppen geliefert. Nach Berichten von Augenzeugen und örtlichen Medien zündeten mit Steinen und Brandsätzen bewaffnete Demonstranten Autos an und gerieten mit Beamten aneinander. Die Demonstranten verlangten die Freilassung eines Menschenrechtlers. 

Libyen ist seit über 40 Jahren unter der Kontrolle von Machthaber Muammar Gaddafi. Auch dort sind aber die Auswirkungen der Unruhen in den Nachbarländern Tunesien und Ägypten spürbar. In Benghasi, der zweitgrößten Stadt des Landes, gibt es schon länger Widerstand gegen Gaddafi. Viele in Libyen inhaftierte Islamisten stammen aus der Stadt. Nach einem Bericht des libyschen Staatsfernsehens gab es am frühen Mittwoch landesweit Demonstrationen für Gaddafi.

Menschenrechtler festgenommen

Die Proteste entzündeten sich Berichten zufolge an der Festnahme eines Menschenrechtlers. Er arbeitete mit Familien zusammen, deren Angehörige im berüchtigten Gefängnis Abu Salim in Tripolis inhaftiert sind. In dem Gefängnis sind Regierungsgegner und Islamisten eingesperrt. 1996 kam es dort zu Ausschreitungen, bei denen 1000 Insassen erschossen wurden.

Zwar klagen viele Libyer über Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Einschränkungen politischer Freiheiten. Experten gehen dennoch davon aus, dass ein Umsturz wie in Ägypten unwahrscheinlich ist. Die Führung könne Einnahmen aus der Erdölförderung dazu nutzen, um die Probleme abzumildern. Gaddafi hat erklärt, sein Land brauche keine westlichen Demokratie-Konzepte. Es habe vielmehr sein eigenes System, das den Bürgern die Möglichkeit gebe, sich selbst zu regieren. (red/Reuters)

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    Hand in Hand ins Exil? Demonstranten wünschen Libyens Staatschef Gaddafi (r.) ein ähnliches Ende wie Hosni Mubarak aus Ägypten (m.)

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    Pro-Gaddafi-Demonstranten.

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