"Seit Peking herrscht Stillstand"

17. Februar 2011, 10:16
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Neue UNO-Frauenorganisation wird Ende Februar von der Exekutivdirektorin in New York offiziell vorgestellt - UN Women Österreich möchte mehr Mittel aufstellen

Wien - Im Jänner ist die neue UNO-Frauenorganisation "UN Women" operativ geworden. Damit geht auch das österreichische Nationalkomitee für UNIFEM (UN-Entwicklungsfonds für Frauen) in das Nationalkomitee für UN Women über. Inhaltlich hat sich an der Arbeit der zehn bis 15 aktiven ehrenamtlichen MitarbeiterInnen bis dato nichts geändert, sagte Lilly Sucharipa, Präsidentin des heimischen UN Women-Nationalkomitees am Mittwoch gegenüber Journalisten in Wien. Erwartet wird aber, dass die Gewaltthematik in Zukunft stärker in der Vordergrund rücken wird, ebenso wie die Klimathematik und ihre Auswirkung auf Frauen.

In Österreich möchte Sucharipa den MitarbeiterInnenkreis des Nationalkomitees auch in die Bundesländer ausdehnen. "Meine Idealvorstellung wäre, ich bekomme ein so starkes Nationalkomitee zusammen, dass ich auch finanziell etwas beitragen kann", sagte Sucharipa. Im Moment gebe es 45 zahlende Vereinsmitglieder, aus der Privatwirtschaft befinde sich noch keines darunter. Österreich beteilige sich an UN Women mit einem freiwilligen Beitrag von 600.000 Euro. Der Staat werde, trotz geplanter Kürzungen im Entwicklungshilfebereich, für UN Women denselben Betrag zur Verfügung stellen wie im Vorjahr für UNIFEM.

Seit 1997 österreichische Unterstützung

Das österreichische Nationalkomitee für UNIFEM unterstützt seit 1997 - als eines von 18 Nationalkomitees weltweit - die Arbeit der UNO-Frauenorganisation. So hat UNIFEM Österreich etwa eine Konferenz in Wien für Frauen aus dem Balkanraum veranstaltet oder eine mobile Ambulanz im Kosovo finanziert. Die nächste Konferenz der Nationalkomitees findet im September in Australien statt.

"Jede neue Frauenkonferenz wäre ein Rückschritt", hieß es bei dem Pressegespräch in Bezug auf die UNO-Frauenkonferenz in Peking 1995. Weil sich die politischen Positionen und Kräfteverhältnisse verändert hätten - etwa durch das Vordringen islamischer Verwaltungen, "herrscht seit Peking Stillstand". So sei etwa das Thema Abtreibung besonders umstritten. Daher werde nun vorrangig versucht, den bestehenden Konsens im Feld umzusetzen.

Am Dienstag beginnt die 55. Tagung der Kommission zur Lage von Frauen (CSW) am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York, an der auch Sucharipa teilnehmen wird. Am Donnerstag kommender Woche (24. Februar) wird die im September ernannte Exekutivdirektorin, die chilenische Ex-Präsidentin Michelle Bachelet, UN Women offiziell vorstellen. Bis Juni soll das Programm der Organisation für die kommenden zwei Jahre ausgearbeitet werden, und anschließend dem Verwaltungsrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Struktur von UN-Woman

Die UN-Vollversammlung hatte am 02. Juli 2010 in New York beschlossen, ein neues Ressort zur Unterstützung speziell der weiblichen Weltbevölkerung einzurichten. UN Women - mit Hauptsitz in New York - fasste vier kleinere Organisationen zusammen, die sich in der Vergangenheit mit Frauenarbeit befasst haben: den Entwicklungsfonds der UN für Frauen (UNIFEM), die Frauenrechtsabteilung (DAW), das Büro der Sonderbeauftragten für Frauenfragen (OSAGI) sowie des Forschungsinstitut INSTRAW. Die Mandate der Vorläuferorganisationen werden übernommen.

UN Women ist ein Unterorgan der Generalsversammlung. Die Exekutivsekretärin steht im Rang einer Untergeneralsekretärin und hat daher direkten Zugang zum UNO-Generalsekretär und wird in allen höchsten Entscheidungsgremien der UN vertreten sein. Die Organisation soll mit einem Fonds von einer halben Milliarde Dollar (knapp 400 Millionen Euro) jährlich ausgestattet werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte den Beschluss zur Einrichtung von UN Women mit den Worten begrüßt, dass das Resort "die Bemühungen um die Gleichstellung von Frauen, um mehr Chancen und und gegen ihre Diskriminierung weltweit beflügeln" werde. Die Gründung von UN Women sei eines seiner Hauptanliegen seit Beginn seiner Amtszeit 2007 gewesen, sagte Ban. (APA)

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    UNIFEM ist eine der Unterorganisationen von UN Woman. Die Frauenrechtsabteilung (DAW), Büro der Sonderbeauftragten für Frauenfragen (OSAGI) sowie des Forschungsinstitut INSTRAW vervollständigen UN Woman.

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