Gesundes Selbstbewusstsein schützt vor Magersucht

17. Februar 2011, 09:55
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Negative Selbsteinschätzung durch ausgeprägten Hang zur Perfektion verstärkt

Ein intaktes Selbstbewusstsein senkt das Risiko für die Entwicklung einer Essstörung wie z.B. Magersucht. Das Selbstwertgefühl von magersüchtigen Jugendlichen ist oft sehr niedrig, weil sie das subjektive Gefühl haben, nicht den Anforderungen zu genügen, die die Gesellschaft an sie stellt. Verstärkt wird die negative Selbsteinschätzung durch einen meist ausgeprägten Hang zur Perfektion. Entsprechend kann ein gesundes Selbstwertgefühl vor dieser schweren Essstörung schützen. Darauf verweist die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) im Vorfeld ihrer 32. Jahrestagung, die die wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft von Mittwoch, den 2. bis Samstag, den 5. März 2011, im Congress Center (CCE) Essen-West veranstaltet und zu der die Organisatoren um Kongresspräsident Johannes Hebebrand, Essen, wieder etwa 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten. Im Mittelpunkt der Tagung steht u.a. auch das Thema Essstörungen zwischen Wissenschaft und klinischer Praxis.

Übersteigerte Selbstkritik

Jugendliche, speziell Mädchen, betrachten ihren Körper oft zu kritisch, weil sie dem heutigen Schönheitsideal aus der allgegenwärtigen Medienwelt nacheifern. Niemand ist perfekt, jeder hat Schwächen, aber auch liebenswerte Eigenschaften. Jugendliche brauchen Komplimente, die ehrlich gemeint sind. So lernen sie, sich und ihren Körper, auch mit scheinbaren Makeln, anzunehmen", empfiehlt die DGKJP. Eltern können das Selbstbewusstsein ihres Kindes fördern, indem sie ihr Kind keinem zu großen Leistungsdruck aussetzen und keine Vergleiche zu anderen anstellen. Sie sollten ihrem Kind etwas zutrauen und es in seinem Selbstständigwerden sowie der Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit unterstützen.

Die Stärkung des Selbstbewusstseins wirkt nicht nur vorbeugend, sondern ist auch ein wesentlicher Bestandteil in der Therapie von Patienten mit Magersucht. Beim Blick in den Spiegel lernen Betroffene, ihre Körperhaltung zu verbessern, sich selbst in die Augen zu schauen und im stummen Zwiegespräch mit sich eine positive Grundhaltung zu entwickeln. Sich klar zu werden über die eigenen Stärken, etwa in Form eines Tagebuchs für schöne Erlebnisse und Erfolge oder einer Art Bewerbungsschreiben, ist eine weitere Grundlage zur Steigerung des Selbstbewusstseins", erläutert die DGKJP.

Hoher Schlankheitsdruck

An Magersucht erkranken jährlich 0,5 bis 1% aller Frauen in Deutschland, die meisten im Alter zwischen 14 und 18. Männer sind weit weniger häufig betroffen. Risikogruppen sind insbesondere Sportlerinnen, vor allem Ballettschülerinnen und Models, die allein aufgrund ihrer Tätigkeit einem gewissen Schlankheitsdruck ausgesetzt sind. In der Regel beginnt das Leiden allmählich, mit gesteigertem Interesse an Diäten und Inhaltsstoffen der Nahrung, mit immer wählerischem Essverhalten, bevor ganze Mahlzeiten ausgelassen werden. Mit der äußerlich sichtbaren Abmagerung und dem sinkenden Körpergewicht können Schäden an den inneren Organen einhergehen. Es steigt die Anfälligkeit für lebensbedrohliche Komplikationen; 5% aller Betroffenen versterben im Verlauf an der Essstörung. (red)

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