Watson wusste einfach mehr

17. Februar 2011, 19:29
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Nun triumphierte ein Computer auch bei "Jeopardy" über menschliche Kontrahenten

Der Sieg verdeutlicht zwar die enormen Fortschritte in der Informatik. Kreative Intelligenz besitzen aber nach wie vor nur wir Menschen.

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New York / Wien - Am Ende war die Niederlage der beiden menschlichen Quiz-Champions dann doch recht eindeutig: Während sich das Computerhirn "Watson" über eine Gesamtgewinnsumme von 77.147 Dollar freuen konnte (oder eben doch nicht!), brachten es seine beiden Konkurrenten der Gattung Homo sapiens gerade einmal auf 24.000 und 21.600 Dollar.

Bereits am Dienstagabend hatte sich Watsons Gesamtsieg klar abgezeichnet: Der Computer, der im Studio als Monitor vertreten war und mit künstlicher Stimme sprach, fand an diesem Tag auf 24 der 30 vorgegebenen Antworten die richtigen Fragen. Dazu suchte er in Windeseile seine gigantische Datenbank ab und sortierte mögliche Antworten nach ihrer Stichhaltigkeit.

Wissenlücken offenbarte der von IBM-Experten vier Jahre lang vorbereitete Computer am dritten indes Tag in Sachen Europa: Dass Slowenien bei der EU ist, war ihm entgangen. Und als gefragt wurde, was wegen des Schengener Abkommens nicht mehr kontrolliert wird, war er sich zu 33 Prozent sicher, dass "Reisepässe" richtig ist; die tatsächlich richtige Antwort "Grenzen" erwog er nur mit 14 Prozent.

Was bedeutet der Triumph Watsons für die Debatte um die künstliche Intelligenz? Offensichtlich ist, dass Spiele wie "Jeopardy" für einen Computer eine besondere Herausforderung sind, da die Fragen nicht nur auf Sprache basieren, sondern häufig in Rätsel verpackt sind. Insofern ist sein Sieg auch eine weitaus größere Leistung als der Triumph von "Deep Blue" über Schach-Champion Garri Kasparow 1997.

Für Monika Henzinger, Informatikprofessorin an der Uni Wien, zeigen sich in "Watson" die enormen Fortschritte, die es seitdem in der Informatik gab. "Computer sind zu einem viel effizienterem Werkzeug für uns Menschen geworden", sagt die Ex-Forschungschefin von Google und betont zugleich, dass kreatives Denken weiterhin eine genuin menschliche Angelegenheit sei. Und auch ihr Kollege Oren Etzioni von der Uni Washington sieht keinen Anlass für negative Utopien: "Der Tag, an dem Maschinen uns als Haustiere halten, ist immer noch sehr weit weg." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 18.02.2011)

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    Das aufgerundete Endergebnis: Computer "Watson" schlägt die Menschen Ken und Brad klar.

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