Erste Einblicke in die DVD-Oberfläche

17. Februar 2011, 05:00
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Physiker der Uni Graz bilden Oberflächen mit ungeordneter Struktur atomar ab

Graz - Obwohl DVDs millionenfach produziert werden, waren die chemisch-physikalischen Schreibprozesse dahinter bis vor kurzem ein Rätsel. Einem internationalen Forscher-Team um "Famelab"-Gewinner Wolfram Steurer gelang nun an der Uni Graz mittels Röntgenstrahlung der Durchbruch. Die WissenschafterInnen fanden einen Weg, wie Oberflächen mit ungeordneter Struktur atomar, also im Nanobereich, abgebildet werden können. Damit stehen der Wissenschaft neue Methoden zur Verfügung, Oberflächen wie jene einer DVD im Detail zu untersuchen und das gesamte Produkt technisch zu verbessern, gab die Universität Graz bekannt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Forschungsmagazin "Nature Communications" veröffentlicht.

Ungeordnete Oberflächen

Nach den Gesetzen der Physik werden Oberflächen grob in zwei Kategorien unterteilt: in geordnete und ungeordnete. Geordnete Oberflächen, wie zum Beispiel die von Kristallen, können dank der periodischen Anordnung ihrer Atome extrem präzise abgebildet werden. "Im Gegensatz dazu sind ungeordnete Oberflächen ein nahezu unbeschriebenes Blatt", erklärt Steurer.

PhysikerInnen der Uni Graz haben dieses Geheimnis jetzt gelüftet: Mittels gestreuter Röntgenstrahlen, die unter einem sehr flachen Winkel auf die Oberfläche auftreffen, gelangen ihnen zum ersten Mal experimentelle Einblicke in die Anordnung der chemischen Bindungen an der Oberfläche eines Selen-Glases. "Selen gehört zur Klasse der chalkogeniden Materialien, deren ganz besondere Eigenschaften bei optischen Speichermedien wie DVDs angewandt werden", so der Physiker.

Totalreflektion

Steurers Team machte sich bei seinen Untersuchungen einen Effekt der Röntgenstrahlung, die Totalreflektion, zunutze: "Wer schon mal Fische in einem Aquarium beobachtet und schräg von unten gegen die Wasseroberfläche geschaut hat, sieht dort die Spiegelung des Aquariumbodens. Diese Totalreflektion von Licht tritt beim Übergang von einem dichteren Medium, wie etwa Wasser, zu einem optisch dünneren Medium, zum Beispiel Luft, auf." Bei Röntgenstrahlen gibt es den Effekt auch, nur dass er dort beim Übergang vom dünneren ins dichtere Medium stattfindet. Bei ihren Forschungen leiteten die WissenschafterInnen in einem ersten Schritt Röntgenstrahlen unter einem sehr flachen Einfallswinkel auf eine ungeordnete Oberfläche. "Diese Strahlen werden so vollständig reflektiert, im Gegensatz zu sichtbarem Licht", erklärt Steurer.

Bei der Kollision mit der Oberfläche können die auftreffenden Lichtteilchen Atome zu Schwingungen anregen und so Energie abgeben oder die Energie von bereits vibrierenden Atomen aufnehmen. Die Energieverteilung der gestreuten Lichtteilchen wird im Anschluss gemessen und spiegelt die Dynamik der Oberfläche wieder. In einem zweiten Schritt wird das experimentell aufgenommene Schwingungsspektrum analysiert und mit Modellrechnungen verglichen. Das so erworbene Wissen spiele auch eine wichtige Rolle in den Nanotechnologien und der Katalysatorforschung, gab die Universität bekannt. (red)

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