Ägypten, das Erdöl und die "grüne Revolution"

16. Februar 2011, 21:31
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Die politischen Umstürze in Nordafrika und ihre Folgen für Europa aus der Sicht eines Öko-Aktivisten - Von Andreas Postner

Viel zu wenig werden in der politischen Öffentlichkeit die prekären Hintergründe der wirtschaftlichen Krise diskutiert, die das erstarrte, despotische System Mubaraks ausweglos in den Untergang geführt haben.

Ägypten war zwar nie ein großer Erdöl-Exporteur, aber innerhalb der letzten Jahre hat die Exportquote rapide abgenommen. In diesem Jahr ist dieses Land zum Erdöl-Importeur (wie Indonesien) geworden. Ursache dafür ist der extrem stark steigende Bedarf der Bevölkerung. Die Bevölkerung Ägyptens ist zwischen 2000 und heute um 21 Prozent gewachsen. Dazu kommt, dass gut 40 Prozent der Nahrungsmittel nach Ägypten eingeführt werden müssen.

Nun fehlen weitestgehend die Devisen aus den Ölexport-Einnahmen, um auf dem Weltmarkt ausreichend und kostengünstig Lebensmittel einkaufen zu können. Jede neue Regierung wird vor nahezu unlösbaren Problemen stehen und es wird zutiefst von der Solidarität des Westens abhängen, ob und welche Chancen demokratische und nicht-islamistisch-fundamentalistische Systeme erhalten werden.

Hoffen auf Energie-Wende

Diese Fragestellungen betreffen nicht nur Ägypten, sondern in ähnlicher Weise ganz Nordafrika, vielleicht mit der Ausnahme des Sonderfalls Libyen. Die Internet-Revolution der jungen Nordafrikaner/innen ist nicht zuletzt eine Hoffnungsrevolution, die auf Europa abzielt. Da das bisherige europäische Wirtschaftsmodell jedoch alles andere als nachhaltig ist und selbst zu über 75 Prozent von fossilen Energien abhängt, ist auch in Europa eine Revolution "angesagt" .

Nichts anderes nämlich fordert die Internationale Energieagentur schon seit Jahren: eine nachhaltige, grüne, solare Revolution. Ohne diese können wir Nordafrika kein Angebot machen. Die Flüchtlingsströme werden steigen.

Andreas Postner

Leiter der Vorarlberger

Bürgerplattform Transform

(DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2011)

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