Verdoppelung des Überflutungsrisikos

16. Februar 2011, 21:21
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Zusammenhang zwischen Erderwärmung und Regenintensität erstmals dokumentiert

London - Für die Klimaforschung ist es längst eine ausgemachte Sache, dass der globale Anstieg der Durchschnittstemperaturen eine Folge des Anstiegs der Treibhausgas-Emissionen ist. Bei der Frage, ob mehr CO2 in der Atmosphäre und die dadurch bewirkte Erderwärmung auch zu mehr lokalen Extremwetterereignissen führt, waren die Experten bis jetzt allerdings sehr zurückhaltend.

Zwei neue Studien im britischen Wissenschaftsmagazin Nature (Bd. 470, S. 378 und 382) ändern dies nun und behaupten, dass es zumindest auf der Nordhalbkugel solche Zusammenhänge geben dürfte: Nach neuesten Modellrechnungen sorgt der Klimawandel sehr wohl für eine Zunahme regionaler Wetterextreme und trägt dazu bei, dass sich das Risiko für Hochwasserkatastrophen nahezu verdoppelt.

In einer der beiden Untersuchungen haben Forscher um Myles Allen von der Uni Oxford die Flutkatastrophe in England und Wales des Jahres 2000 unter die Lupe genommen. Sie ließen ihre Rechner Tausende Simulationen von jahreszeitlichen Wetterprognosen durchspielen - einmal mit und einmal ohne die Auswirkungen der Treibhausgase. Laut den Berechnungen von Allen und Kollegen müssen sich die Bewohner der nördlichen Hemisphäre darauf einstellen, dass Überflutungen, die bislang nur einmal in hundert Jahren auftraten, in Zukunft fast doppelt so oft stattfinden werden.

In der anderen Studie hat ein Wissenschafterteam unter Leitung der Klimaforscherin Gabriele Hegerl von der Uni Edinburgh Niederschlagsdaten der Nordhalbkugel mit acht Klimamodellen verglichen. Und auch ihre Schlussfolgerung ist ziemlich eindeutig: "Wir können mit einiger Gewissheit sagen, dass erhöhte Niederschlagsintensitäten nicht durch bloße interne Klimavariabilität erklärbar ist."

War die Erderwärmung für die meisten von uns bis jetzt nicht wirklich direkt spürbar, so scheint nun klar: auch die Extremwetterereignisse der letzten Jahre dürften eine Folge davon sein. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. Februar 2011)

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    Extreme Wetterereignisse, die nur alle 100 Jahre stattfanden, könnten sich auf der Nordhalbkugel in Zukunft
    doppelt so oft ereignen.

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