Schummel-Vorwurf belastet Guttenberg

16. Februar 2011, 19:07
69 Postings

Der deutsche Minister für Verteidigung soll Teile seiner im Jahr 2006 eingereichten Doktorarbeit abgeschrieben haben - Die Universität ermittelt

Google macht's möglich - auch im Fall Guttenberg.Vor rund zehn Tagen ließ sich der deutsche Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano mit einem Glas Rotwein vor dem Computer nieder. Sein abendliches Vorhaben: eine Rezension über die Doktorarbeit des deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu verfassen.

"Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" lautet der Titel der Dissertation, die Jurist Guttenberg 2006 an der Universität Bayreuth einreichte und für die er den Abschluss "summa cum laude" bekam.

Wie üblich im Fall einer Rezension gab Fischer-Lescano, der am Bremer Zentrum für europäische Rechtspolitik forscht, zunächst einige Textteile zur Kontrolle bei der Suchmaschine Google ein. Und wurde prompt fündig. Insgesamt acht Stellen in seinem Werk hat Guttenberg offenbar wortwörtlich aus anderen Quellen übernommen. Das verstößt nicht gegen akademische Regeln. Doch Guttenberg scheint die korrekte Quellenangabe vergessen zu haben. Passagen aus der "Neuen Züricher Zeitung" (NZZ) aus dem Jahr 2003 wurden ebenso wenig als Zitat oder in der Literaturliste gekennzeichnet wie Teile eines Vortrags, der 2004 an einer Liechtensteiner Privatuni gehalten wurde. Die Schummel-Vorwürfe aufgedeckt hat die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Fischer-Lescano ist sich sicher: Wegen dieses Plagiats kann Guttenberg der Doktortitel aberkannt werden. Denn in der Promotionsordnung der Bayreuther Uni heißt es, der Bewerber müsse erklären, dass er "die Dissertation selbständig verfasst und keine anderen als die von ihm angegebenen Hilfsmittel benutzt hat".

So sieht es auch der Medienwissenschafter Stefan Weber, der an der Universität für angewandte Kunst in Wien lehrt. Er gilt als "Plagiatsjäger" und hat in Österreich und Deutschland einige Plagiatsfälle an Hochschulen aufgedeckt, unter anderem auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (VP) in Schwierigkeiten gebracht. Weber wies am Mittwoch darauf hin, dass Guttenberg schon im Vorwort seiner Doktorarbeit abgeschrieben habe.
Akademischer Grad wackelt

Die "allerersten Zeilen" stammen laut Weber aus einem Text, den die Politikwissenschafterin Barbara Zehnpfennig in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) 1997 veröffentlicht hat. "Ich bin mir sicher, dass eine weitere Überprüfung noch weitere abgekupferte Stellen zutage fördern wird", sagt Weber zum Standard. Seiner Ansicht nach müsste Guttenberg der akademische Grad aberkannt werden. Sauer ist auch die Schweizer Journalistin Klara Obermüller, bei der sich Guttenberg via "NZZ" bedient haben soll. Sie findet das Vorgehen des Ministers "nicht sehr ehrenhaft".

Guttenberg selber nennt die Vorwürfe "abstrus", sein Doktorvater Peter Häberle unterstützt ihn. Die Vorwürfe werden nun vom Ombudsmann von Guttenbergs früherer Universität geprüft. Kanzlerin Angela Merkel verfolgt den Fall laut Regierungssprecher Steffen Seibert "sehr interessiert". (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD-Printausgabe, 17.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Karl-Theodor zu Guttenberg (hier 2009 im Bundestag) gilt als einer der Kronprinzen von Kanzlerin Angela Merkel. Die jüngsten Enthüllungen dürften seine Position nicht gestärkt haben.

Share if you care.