Wer es sich leisten kann, wohnt unterm Dach

16. Februar 2011, 19:02
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Für Top-Immobilien in der Wiener City werden horrende Preise verlangt - und bezahlt, egal ob für Miete oder Eigentum

Wien - Die Wiener Innenstadt hat es den Reichen, Neureichen und Vermögenden angetan: Niedrige Kapitalzinsen und eine anziehende Inflation bescheren der City derzeit einen Aus- und Umbauboom.

Penthäuser und Dachboden-Ausbauten

Schauplatz Neuer Markt: Die Kaufhauserbin Heidi Horten bewohnt hier ein Penthouse, genauso wie der Startenor Placido Domingo, ganz zu schweigen vom prominenten Immobilienmakler Ariel Muzicant, der im Hotel Ambassador das Dach bewohnt.

Einen Steinwurf weiter, beim Hotel Europa, im Besitz des milliardenschweren ukrainischen Unternehmers Gennady Bogoliubov (Banken, Medien, Öl und Lebensmittelbusiness), wird derzeit der Dachboden ausgebaut, für den Eigenbedarf, wie es heißt. Und in unmittelbarer Nähe baut die Familie des Holzindustriellen Schweighofer ebenfalls ein Penthouse am Dach.

Aber auch bei den Geschäften tut sich was: In die Lokalität des ehemaligen Feinkosttempels Wild soll bald schon eine Luxusmarke einziehen. Und vis-à-vis, wo bisher eine Niedermeyer-Filiale war, kommt ein Samsonite-Koffergeschäft.

Ums Eck, auf der Kärntner Straße, ist der Baufortschritt beim Megastore von Peek & Cloppenburg nicht zu übersehen. Eröffnung ist im Oktober 2011.

Benkos große Pläne

Seit Monaten schon warten alle gespannt, welche Mieter der Immobilien-Investor Rene Benko für die ehemalige Bawag-Zentrale in der Seitzergasse/Tuchlauben bringt; ganz zu schweigen, wer denn nun der Hotelbetreiber für die ehemalige Länderbank-Zentrale am Hof wird. Im Gespräch mit dem STANDARD sagte Benko, dass er Ende März den Hotelbetreiber (Pachtvertrag) und die ersten großen Handelsmieter vorstellen wird. Die letzte Hürde wurde bereits genommen: Diese Woche wurde Hugo Boss (in den Räumen der ehemaligen Länderbank) ausgemietet. Benkos Plan: Von der Tuchlauben über die Bognergasse (wo Palmers, und Stiefelkönig waren), hinein in die Seitzergasse bis zum Uhrmachermuseum soll es Geschäfte, Büros und ganz oben exquisite Mietwohnungen geben, so Benko.

In den Räumlichkeiten der Erste Bank Ecke Graben/Tuchlauben eröffnet im Spätherbst 2011 der Juwelier Wagner eine neue Filiale - mit Eingängen am Graben in den Tuchlauben.

Das ehemalige Bawag-Haus in der Rotenturmstraße gehört mittlerweile einer Wlaschek-Stiftung. Die Sanierung wurde bereits gestartet, sagte Örag-Chef Stefan Brezovich von der Wlaschek-eigenen Hausverwaltung. Die Geschäfte und Büros seien zum Teil schon vermietet. Die Wohnungen in den oberen Etagen sowieso.

Mietpreise bis zu 30 Euro

Am Hof siedelt sich, wie berichtet, auch der Tiroler Unternehmer Klaus Ortner (Gebäudetechnik) an, der sich mehrere hundert Quadratmeter Dachboden am Generali-Haus Nummer 11 vertraglich gesichert hat. Freilich nur zur Miete. Denn die großen Immobilienbesitzer in der Wiener City sind Banken, Versicherungen und die Kirche. Und die verkaufen ihre immobilen Schönheiten nicht, sondern vermieten nur. Kostenpunkt: 25 bis 30 Euro pro m².

Wer Eigentum erwerben will, muss tief in die Tasche greifen: In das ehemalige Palais Hansen am Schottenring kommt ein Kempinski Hotel. Die Immobilienbesitzer Warimpex, Porr und Wiener Städtische planen die Eröffnung für Ende 2012. Auf den obersten Etagen (3500 m²) entstehen Luxuswohnungen, die abverkauft werden. Die Preisspanne liegt bei 20.000 bis 25.000 Euro, pro Quadratmeter wohlgemerkt.

Hotel im Handelsgericht

In derselben Preiskategorie liegt man beim Hotelprojekt im ehemaligen Handelsgericht in der Riemergasse: Angeblich kommt dort ein Four Seasons hinein, das Dach sei jedenfalls für Wohnungen reserviert: Kostenpunkt rund 30.000 Euro/m².

Zum Verkauf steht das ehemalige Post- und Telegrafenamt am Börseplatz 1, das in den letzten Jahren als Kulisse für Alma diente. Der jetzige Besitzer der Immobilie ist die Privatstiftung der Familie von Vladimir Zagorec (kroatischer Ex-General). Sein Anwalt Nikolaus Vavrovsky sagte, dass die Verkaufsverhandlungen weit gediehen sein sollen. (Claudia Ruff/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2011)

  • Das ehemalige Post- und Telegrafenamt am Börseplatz  wartet noch auf 
Käufer. In den Vorjahren wurde "Alma"  hier aufgeführt. 
    foto: standard/cremer

    Das ehemalige Post- und Telegrafenamt am Börseplatz wartet noch auf Käufer. In den Vorjahren wurde "Alma" hier aufgeführt. 

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