Demonstrationen richten sich gegen Königshaus

16. Februar 2011, 18:42
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Tod von Demonstranten facht Proteste weiter an - Sunniten in arabischer Welt besorgt

In Bahrain, dem kleinen Königreich am Persischen Golf, wird seit Montag demonstriert - wobei auch am Mittwoch, wie bereits am Dienstag, das Begräbnis eines von Sicherheitskräften getöteten Demonstranten die Wut weiter anfachte. War bisher fast ausschließlich der Rücktritt des langjährigen Ministerpräsidenten - Khalifa bin Salman Al Khalifa, ein Onkel des Königs - gefordert worden, so war erstmals von einem erhofften "Ende des Regimes" die Rede.

König Hamad bin Isa Al Khalifa ist eigentlich nicht unbeliebt. Auf die ersten Proteste reagierte er mit einem Geldgeschenk an jede Familie (umgerechnet 2000 Euro). Aber damit ließen sich die Demonstranten nicht beruhigen, obwohl es auch in Bahrain um wirtschaftliche Probleme und mangelnde Perspektiven der Jugend geht. Bahrain ist nicht ölreich, hat sich jedoch als Finanzplatz und als Touristenziel profiliert. Die Einnahmen und die besseren Jobs gehen dabei großteils an Klienten des Regimes, das die politische Landschaft streng kontrolliert. Das Herrscherhaus ist sunnitisch - aber die Bevölkerungsmehrheit von etwa 70 Prozent schiitisch.

Einen konfessionellen Anstrich haben die Demonstrationen jedoch nicht. Gefordert werden demokratische Reformen, nicht nur von Schiiten, sondern auch von einzelnen sunnitischen Gruppen.

Wie in Ägypten waren Parlamentswahlen im Herbst 2010 der Grund für viele, ihr Vertrauen in die Obrigkeit endgültig zu verlieren: Zwar wird zugelassen, dass die schiitische Wifaq-Partei im 40-köpfigen Unterhaus mit 18 Sitzen die stärkste Kraft ist, aber eine Mehrheit der Schiiten wird durch Manipulationen und Wahlbehinderung verhindert. Im Vorfeld der Oktober-Wahlen wurde gegen Schiitenpolitiker, auch solche der gemäßigten Wifaq, wegen "Terrorismusverdachts" vorgegangen. Dabei hat das Unterhaus ohnehin wenig zu sagen, und das mächtige Oberhaus wird vom König direkt ernannt. Die Wifaq-Abgeordneten legten zu Wochenbeginn geschlossen ihre Mandate zurück.

Der Perlen-Kreisverkehr

Mit etwa 2000 Menschen sind zwar nicht Massen auf den Straßen, aber das Land hat nur etwa 1,2 Millionen Einwohner, viele davon sind Ausländer. Nach dem Vorbild des Tahrir-Platz haben sich die Demonstranten auf dem "Perlen-Kreisverkehr" in Manama häuslich niedergelassen. Bevor die Proteste am Montag losgingen, versuchten königsloyale Medien die nationale Einheit zu beschwören: Die Demonstranten würden Teheran in die Hand spielen, das immer wieder revisionistische Töne - Bahrain war einmal Teil des Perserreiches - ausspuckt.

Obwohl sich die Unruhen in Bahrain nicht auf sunnitisch-schiitisch reduzieren lassen, werden sie in der sunnitisch-arabischen Welt stark als Teil der iranisch-arabischen hegemonialen Auseinandersetzung wahrgenommen. Auch andere Länder am Golf - vor allem Saudi-Arabien, aber auch Kuwait - haben schiitische Minderheiten, die unter scharfer Beobachtung stehen. Dabei wollen viele dieser Schiiten mit dem iranischen System nichts zu tun haben, sondern sind eher säkular.

Es tauchen immer wieder absurde Verschwörungstheorien auf, wie dass die USA Bahrain Iran überlassen könnten im Tausch dafür, dass Teheran sein Atomprogramm aufgibt. Israelische Analysten warnen davor, dass die internationale Gemeinschaft nicht adäquat reagieren können wird, sollte Iran Bahrain überfallen - so wie 1990 Irak Kuwait überfallen hat -, wenn Teheran einmal im Besitz von Atomwaffen ist. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2011)

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    Jugendliche haben sich im Zentrum von Manama, der Hauptstadt Bahrains, häuslich niedergelassen. Vorbild ist der von den Anti-Mubarak-Demonstranten besetzte Tahrir-Platz in Kairo.

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