Alleine in guter Gesellschaft

16. Februar 2011, 18:24
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"Tested Under Extreme Conditions", das neue Album von The Base

Wien - Steiermark und Melancholie, das verträgt sich gut. Aus der Melancholie entsteht ja oft ein Fernweh nach Gegenden, wo es besser ist. Diese Sehnsucht lässt sich nicht immer mit realen Fluchten bekämpfen, also reist der Kopf, gefüttert mit Bildern und Emotionen, die einem dienliche Filme und Musik eingeschrieben haben.

Die Grazer Band The Base gibt sich so einer Kopfreise hin. Sie beginnt mit Born In Devil's Motel. Einer gebeserlten Ballade, in der eine Säge greint und die Mandoline vibriert. Sänger Norbert Wally intoniert dazu mit vor Durst trockener Kehle eine seiner bildstarken Kurzgeschichten, die alle einer Lee-Hazlewood-Einsicht gehorchen: "I've been down so long, it looks like up to me."

Das Album heißt Tested Under Extreme Conditions, und man zweifelt nicht am Titel. Doch das Werk ist nicht das übliche Männergeplärre an Muttis Schulter. Trost, das wissen The Base, spendet man sich am besten selbst. Alleine sein bedeutet immer: in guter Gesellschaft sein.

In diesem männlichen Stereotyp entstand ein herrliches Album. Zwei, drei Ausreißer beweisen, dass die Stimmung auch bei höherem Tempo nicht verlorengeht, aber was The Base zu sagen haben, woran sie hadern, was sie kratzt, ärgert oder ihnen das Herz wärmt, das vermitteln sie am besten im Midtempo. Darauf ist das Album mit seinen atmosphärischen Tiefen hinproduziert, dort entfaltet es all seine schattseitigen Charme. "I'm not in the mood for Rock 'n' Roll", singt Wally einmal, und es ist auch so gut. (flu/ DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2011)

The Base live:
- am 23. 2. im Flex
- am 24. 2. im Spielboden Dornbirn
- am 4. 3. im PPC, Graz
- am 17. 3. im Burgtheater Wien (mit Element Of Crime)

  • "Tested Under Extreme Conditions"
    foto: universal

    "Tested Under Extreme Conditions"

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