Das Unschuldskalb

16. Februar 2011, 18:02
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Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat die Doping-Praxis auf ein neues Level gehoben

Ein ordinäres Vieh sei schuld, dass sein Ruf ramponiert ist, war Radprofi Alberto Contador nie müde zu betonen. Was konnte schließlich der dreifache Tour-de-France-Sieger dafür, dass gerade sein Stück spanisches Kalbssteak, als es noch ein ganzes Kalb war, vom verbotenen Mast- und Dopingmittel Clenbuterol genascht hatte? Ein Mittel übrigens, das im Vorjahr in 14.179 Fleischproben in Spanien kein einziges Mal entdeckt wurde.

Aber nicht Contadors an Frechheit kaum zu überbietende Ausrede hat die Doping-Praxis auf das nächste Level gehoben, sondern Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero. Bisher galt im Spitzensport der Grundsatz, dass alles erlaubt ist, solange man nicht erwischt wird. Contador wurde im Juli 2010 viermal erwischt, dennoch saß er schon gestern hochoffiziell wieder im Sattel. Danken darf er Zapatero, der für den Nationalhelden die politischen Muskeln spielen ließ und ihn freigesprochen hat. Der nationale Radverband gehorchte.

Ohne den Superstar, soll diese unverhohlene Einflussnahme in die Sportjustiz wohl aussagen, spielt keine Musi. Ohne Doping erst recht nicht. Die Vorbildwirkung für Jugendliche ist die eine Wahrheit, die des Betrugs oder zumindest der Wettbewerbsverzerrung eine andere. Immerhin wurde durch den konkreten Fall eine neue Dimension erreicht. Jene der Lächerlichkeit. Möglicherweise kann Contador darüber lachen. Die Kälber würden weinen. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 17.02.2011)

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