Gold ist Reden

10. Februar 2011, 17:35
posten

Eine Minute, 23 Sekunden und 82 Hundertstel hat die Arbeit auf dem Berg gedauert. Und weil Elisabeth Görgl...

Eine Minute, 23 Sekunden und 82 Hundertstel hat die Arbeit auf dem Berg gedauert. Und weil Elisabeth Görgl diese zügiger erledigte als alle anderen, hatte sie nachher so richtig viel zu tun, und bei dieser Arbeit darf man alles, nur nicht maulfaul sein.

Wenn der Sieg feststeht, hat die Weltmeisterin, der Weltmeister natürlich auch, rund 20 TV-Stationen Live-Interviews zu geben. Ungefähr gleich viele Stationen haben länger Zeit, weil sie nicht on air sind. Und sie hat mit Reportern aller Art zu plaudern, die füttern Zeitungen, Radios und das Internet.

Ist das erledigt, steht im Zielraum die sogenannte Flower Ceremony an. Dann geht's zum Pressezentrum im Olympia-Eisstadion. Zunächst zur Dopingkontrolle, dann zur Pressekonferenz, ihr, Görgls, Englisch ist gut. Am späteren Nachmittag legt Görgl eine Pause ein, kehrt im ÖSV-Quartier am unweit von Garmisch-Partenkirchen liegenden Badersee ein, kriegt ein Mittagessen und hat sogar Zeit zum Auslüften, zu einem kleinen Spaziergang.

So um zehn vor Sechs wird aufgebrochen zur Medaillenübergabe im Kurpark. Görgl singt noch einmal die WM-Hymne, Fis-Präsident Gian-Franco Kasper hängt ihr die Goldene um. Anschließend der große Empfang im Haus Ski Austria. Die Steirerin Görgl schmückt den grünen, den steirischen Abend, tanzt mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, erzählt noch mehrmals von der großen Tat, ehe sie sich mit Familie ins Extrazimmer zum Abendessen zurückzieht.

Görgl, die in Innsbruck lebt, stattet nachher natürlich auch dem Tirol Berg einen Besuch ab, das Hallo ist groß, und es gibt noch immer etwas zu erzählen. Und weil Gold Reden ist, wird so gegen Zehn wie ausgemacht noch das Schweizer Fernsehen beglückt. (Benno Zelsacher; DER STANDARD Printausgabe 10. Februar 2011)

 

 

Share if you care.