Lufthansa will von AUA 100 Millionen Mehrertrag

16. Februar 2011, 21:22
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Neuer Mann an der AUA-Spitze kommt mit klaren Vorgaben nach Wien

In wenigen Wochen bekommt die AUA mit Thierry Antinori von der Lufthansa einen neuen Vorstandschef. Und er hat klare Vorgaben von der Mutter im Gepäck, bei der sich unter der neuen Führung von Christoph Franz ebenfalls einiges ändert.

Wie der STANDARD aus Konzernkreisen erfuhr, muss die AUA - so der Auftrag aus Frankfurt - heuer einen Mehrertrag von rund 100 Millionen Euro erzielen. Im Vorjahr wurde operativ noch ein Verlust von rund 50 Millionen Euro eingeflogen. Unter dem Strich hieße das, die AUA muss 2011 ein operatives Ergebnis von plus 50 Millionen Euro erzielen.

Spannend wird es auch nächsten Freitag, wenn in Wien der AUA-Aufsichtsrat tagt. Dort wird die neue Geschäftsverteilung im künftigen Dreier-Gremium gemeinsam mit Peter Malanik und Andreas Bierwirth festgelegt.

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Wien - Bei der Lufthansa bleibt nach dem Wechsel von Wolfgang Mayrhuber zu Christoph Franz offenbar kein Stein auf dem anderen. Innerhalb der Organisation kommen personelle und strukturelle Änderungen, von denen auch die AUA nicht verschont bleibt.

Wie berichtet, übernimmt der langjährige Lufthanseat Thierry Antinori per April den Vorstandsvorsitz der jüngsten Lufthansa-Tochter in Wien. Seit das bekannt wurde, wartet jeder gespannt darauf, wie nun die künftigen Aufgaben im Vorstand mit Peter Malanik und Andreas Bierwirth aufgeteilt sind.

Laut Standard-Informationen, ist für 25. Februar in Wien eine Aufsichtsratssitzung angesetzt, in der die Arbeitsaufteilung beschlossen werden soll. Derzeit wird angeblich noch heftig darüber diskutiert. Gerüchten zufolge geht es auch um den Verbleib von Andreas Bierwirth (Vertrieb) im AUA-Vorstand: Bleibt er? Wenn ja, wie lange noch? Oder wird doch bald für ihn ein anderer Job gefunden? Bierwirths Vertrag läuft offiziell 2012 aus. Bierwirth soll ja bereits im Vorjahr ein unverbindliches Angebot bekommen haben, nach Frankfurt zu wechseln, was er aber ablehnte.

Mit nur zwei Vorstandsmitgliedern wäre die Aufgabenverteilung jedenfalls einfacher als mit drei, heißt es. Nicht ablehnen konnte Karsten Benz seinen Wechsel von London nach Frankfurt. Das Vertriebsbüro in London wird geschlossen. Ab Sommer wird Benz von Frankfurt aus den Europa-Vertrieb steuern.

Die Lufthansa hat der noch immer schwer defizitären AUA für heuer bereits klare Zielvorgaben für das Ergebnis gegeben. Nach einem Verlust von noch immer rund 50 Mio. Euro im Vorjahr wird heuer ein Mehrertrag von rund 100 Mio. Euro erwartet, erfuhr derStandard aus Konzernkreisen. Rein rechnerisch hieße das, dass die AUA heuer 50 Mio. Euro Plus machen muss. Bei der AUA wollte man die Zahlen nicht kommentieren.

Bei der Übernahme der AUA hatte Lufthansa einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt: 2010 musste "cash-positiv" abgeschlossen werden, im operativen Geschäft durfte also kein Geld mehr verbrannt werden. Heuer muss ein positives operatives Ergebnis erzielt werden und 2012 ein positives Gesamtergebnis.

Erreichen will die AUA diese Vorgaben mit einer neuen Marktstrategie: Mit größeren Fliegern und aufgrund von Personalabbau niedrigeren Kosten versucht die Airline gegenüber Billigcarriern wie Niki, Air Berlin oder Germanwings konkurrenzfähige Preise anzubieten. Mit 99-Euro-Tickets (Hin- und Retourflug) gegen 29-Euro-Tickets (one way) war sie das nicht. Nun reagiert man mit 59- oder 69-Euro-Tickets (für Hin- und Retourflug). "In der Vergangenheit waren wir bemüht, die hohen Kosten mit hohen Margen zu kompensieren. Das hat nicht funktioniert - unsere Verluste in den Jahren 2008 und 2009 inklusive der Marktanteilsverluste zeigen das deutlich" , sagte ein AUA-Sprecher.

2010 sei es immerhin gelungen, die Marktanteile von 47 Prozent auf über 50 Prozent zu steigern und zehn Prozent oder eine Million Passagiere mehr zu befördern als 2009. Ein noch kräftigeres Passagierplus verbuchte im Vorjahr Niki: 27,7 Prozent auf 2,1 Millionen.

Mit Zusatzleistungen wie dem Loungezugang (auch aufzahlbar bei einem Economy-Ticket) oder auf Langstrecken einem Platz in der Exit-Reihe um 70 Euro (23 Stunden vor Abflug buchbar) versucht die AUA zusätzliche Passagiere an sich zu binden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2011)

  • Die Lufthansa gibt klare Anweisungen, was sie sich von der AUA erwartet:
 raus aus den jahrelangen Verlusten und endlich schwarze Zahlen. Die AUA
 hält an ihrer Strategie fest, mit Billigpreisen und niedrigeren Kosten 
der Konkurrenz davonzufliegen.
    foto: apn/mario vedder

    Die Lufthansa gibt klare Anweisungen, was sie sich von der AUA erwartet: raus aus den jahrelangen Verlusten und endlich schwarze Zahlen. Die AUA hält an ihrer Strategie fest, mit Billigpreisen und niedrigeren Kosten der Konkurrenz davonzufliegen.

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