Australien finanziert Bildung gegen Terror

16. Februar 2011, 17:28
  • Vier Schülerinnen der Sunanul-Hunda-Schule im indonesischen Dorf Cisaat 
(Distrikt Subakumi). Ihre Schulbildung zahlt der australische 
Steuerzahler - ein Faktum, das für politische Debatten sorgt.
    foto: urs waelterlin

    Vier Schülerinnen der Sunanul-Hunda-Schule im indonesischen Dorf Cisaat (Distrikt Subakumi). Ihre Schulbildung zahlt der australische Steuerzahler - ein Faktum, das für politische Debatten sorgt.

Bau tausender Schulen soll helfen, die islamische Welt zu "deradikalisieren" - Konservative kritisieren Ausgaben

Australische Truppen kämpfen in Afghanistan, in Indonesien greift das Land aber zu anderen Waffen gegen den Terror: Es baut tausende Schulen. Doch nun kritisieren Konservative die Maßnahmen.

***

Es ist Examenstag in der islamischen Schule Sunanul Hunda im Sukabumi-Distrikt. Drei Stunden östlich der indonesischen Hauptstadt Jakarta, in den engen Gassen des Dorfes Cisaat tun Kinder, was sie überall auf der Welt tun. Sie freuen sich über gute Noten im Zeugnis und auf zwei Wochen Urlaub. Ein Umzug mit viel Musik und Tanz; Straßenhändler mit Bauchläden verkaufen Süßigkeiten. Die Kinder tragen ihre schönsten Kleider, die Mädchen den Jilbab, wie die islamische Kopfbedeckung für Frauen in Indonesien heißt.

Es ist eine Szene, wie sie sich an diesem Tag in tausenden Schulen abspielt, in dieser Nation mit 230 Millionen Einwohnern. Doch Sunanul Hunda ist anders. Die Schule wurde vom australischen Steuerzahler finanziert, eine von über 2000, die in den letzten vier Jahren unter der Leitung der staatlichen Hilfsorganisation AusAid gebaut wurden, für insgesamt 270 Millionen Euro.

1500 Schulen sind nichtreligiös, 500 sind islamische Schulen, sogenannte Madrasahs. In Indonesien weit verbreitet, haben sie im Westen einen schlechten Ruf. Es war eine Madrasah des radikalen islamischen Predigers Abu Bakar Bashir, in der Schüler zu Selbstmordattentätern ausgebildet wurden. Bashir ist einer der Gründer und Führer der südostasiatischen Terrororganisation Jemaah Islamiyah (JI), die Beziehungen zu Osama Bin Ladens Al-Kaida haben soll. Bashir steht derzeit in Jakarta vor Gericht. Er ist wegen Terrorismus im Zusammenhang mit einem paramilitärischen Ausbildungslager angeklagt, das vor einem Jahr in der Provinz Aceh entdeckt worden war. Der charismatische Geistliche soll eine Gruppe unterstützt haben, die Anschläge in Jakarta plante. Ihm droht die Todesstrafe.

Ziel der JI-Attentäter sind meistens westliche Touristen, Diplomaten, Geschäftsleute. Vor allem Australier. 2002 töteten Bashirs Schüler in einer Bar in Bali unter anderem 88 australische Urlauber. Am 9. September 2004 zerriss vor der australischen Botschaft in Jakarta ein Bombe elf Menschen.

Für Iyan Mahtudin, den Rektor von Sunanul Hunda, ist der Gedanke bestürzend, Menschen im Westen könnten Madrasahs generell als Brutstätten für Terroristen sehen. "Terror-Ideologie hat hier nichts zu suchen. Wir lernen den Kindern moralische Werte und gutes Verhalten."

Die australische Regierung scheint dem zuzustimmen. Vor kurzem bewilligte Premierministerin Julia Gillard eine Verlängerung des Schulprogramms. Für 470 Millionen Euro sollen in dem aus 17.500 Inseln bestehenden Staat 1500 weitere Schulen gebaut werden. 300.000 Kinder werden damit die Gelegenheit für eine Ausbildung erhalten, "die sie sonst nie hätten", sagt Brian Spicer, der das Programm in Indonesien leitet. Obwohl das Land wirtschaftlich rasch wächst und der Mittelstand expandiert, herrscht vielerorts bittere Armut. Ausbildung ist ein absoluter Luxus.

Armut ist auch in Sukabumi Alltag: Einige Kinder verdienen sich ihr Essen mit dem Einsammeln von Plastikabfall auf der Müllhalde. Zwei Stunden vor Schulbeginn, zwei danach.

Die konservative Regierung des früheren Premierministers John Howard, die das Schulprogramm ins Leben gerufen hatte, zeigte sich denn auch offen über die Hintergründe für ihre Großzügigkeit: Armut sei ein wesentlicher Grund, weshalb junge Menschen dem Ruf radikaler Ideologien folgten, Ausbildung dagegen sei ein effektives Mittel, um die islamische Welt zu "deradikalisieren", so der damalige Außenminister Alexander Downer.

Die Gillard-Labor-Regierung hat bis vor kurzem lieber die "freundschaftlichen Beziehungen" mit Indonesien als offizielle Begründung aufgeführt. Doch vor ein paar Tagen wurde das Programm für die Opposition zum politischen Spielball. Der Chef der Konservativen, Tony Abbott, fordert, das Programm zu stornieren und das Geld stattdessen in den Wiederaufbau der vom Zyklon zerstörten Gebiete in Ostaustralien fließen zu lassen.

Seither spricht Canberra Klartext. Die AusAid-Direktorin in Indonesien, Jacqui De Lacy, sagte am Wochenende, das Programm stärke "die Hand des moderaten Islam" und fördere das Ansehen Australiens in Indonesien.

"Hilft unserem Ruf"

Auch für einen führenden Sicherheitsbeamten, der den Kampf gegen islamistischen Terror in Indonesien von australischer Seite her koordiniert, ist klar: "Das Programm hilft unserem Ruf." Ein Ruf, der nicht überall gut ist. Canberra ist einer der wichtigsten Alliierten der USA im sogenannten Krieg gegen den Terror im Nahen Osten. Ob Irak oder Afghanistan - es ist ein Kampf, der in der größten islamischen Nation der Welt selbst von moderaten Indonesiern gelegentlich als Angriff auf ihre Religion interpretiert wird. (Urs Wälterlin aus Cisaat/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2011)

Share if you care
19 Postings
da haben wir die terroristen: Curious Case Of Davis, Dual Nationals In Government and Friends

"ISLAMABAD: The law enforcement agencies arrested 45 individuals for staying in constant contact with Raymond Davis, a CIA contractor who shot dead two Pakistanis in Lahore last month, DawnNews reported on Monday.

http://tinyurl.com/47yvqc3

Wenn man Kindern

"moralische Werte" und "gutes Benehmen" im Sinne des Islam beibringt verheißt das nichts Gutes. In einer Doku über pakistanische Koranschulen sagte einer der Lehrer sinngemäß: Der Unterschied zwischen dem Islam und dem Westen besteht darin dass Muslims ein Leben im Gefängnis führen müssen um dafür im Paradies belohnt zu werden während der Westen das Paradies schon auf Erden haben will. Genau darin liegt das Problem: Sobald Islamisten an der Macht sind errichten sie geistige und moralische Gefängnisse für die gesamte Gesellschaft für den Preis eines imaginären Paradieses nach dem Tod.
Eine grauenhafte Vorstellung unter Zwang so leben zu müssen.

Na wenn das irgend ein namenloser "Lehrer" in einer namenlosen "Doku" unbestimmten Datums oder Ortes behauptet, dann kann das nur die allgemeingültige Wahrheit über eine Lehre und ihre 1,7-Mrd.-Menschen-Gemeinschaft sein.
Ich kenn' auch so eine Geschichte: Ein gewisser Software-Vertreiber und Hobbyphilosoph hat sich gedacht, sagte man müsse die Werte des kulturell christlichen Westens vor dem Islam, Marxismus und Feminismus schützen, indem man zig Jugendliche in die Luft sprengt, aus Notwehr natürlich.
Eine grauenhafte Vorstellung im kulturell christlichen Westen leben zu müssen, oder?

Eine Hilfe ist vorprogrammiert - den Priestern wird bevorzugt das Himmelserlebnis beschehrt!

diese these entbehrt nicht einer gewissen grundwahrheit

allerdings die christliche heilslehre sieht ebenso wie der islam im jenseits das paradies. einzig epikur hätte eine gesunde alternative bieten können. leider hat er das amt eines religionsgründers nicht angestrebt.

Epikur hat den blanken Egoismus gelehrt. Eine solche "Religions"-Gemeinschaft hätte genau ein Mitglied, sich selbst.

alle wolln irgentwie nur leben, um sich weiterfürchten zu können..... ist mit keiner religion anders.

Sie armes Opfer der Propagandamaschinerie ....

moralische Werte und gutes Benehmen im Sinne des Islams haben etwa soviel mit den Ideologien der Islamisten gemeinsam wie ... keine Ahnung ... einfach gar nixxx.

Mit einem solchen "Propheten" als Vorbild ...

Bukhari, Volume 3, Book 46, Number 717
Sahih Muslim, Book 008, Number 3371
Sahih Muslim, Book 031, Number 5917
Bukhari, Volume 4, Book 52, Number 256
Sahih Muslim, Book 019, Number 4322/23
Sahih Muslim, Book 019, Number 4457
usw. usf. etc.

Damit ich dir das Suchen (teilweise) abnehme: http://www.usc.edu/schools/c... 9.smt.html

Und was er zwei kleinen singenden Mädchen angetan hat ... (Ibn Ishaq 819)

Die von dir angeführte Ideologie - ist DER Ursprung des Islams, weil sie vom Archetypen dieser gelebt und kreiert wurde ...

Es ist nur leider so

dass die meisten islamischen Theologen die Sittengebote des Islam in den letzten Jahren immer reaktionärer auslegen. Vor kurzem sah ich beispielsweise eine Doku über Bauchtänzerinnen in Ägypten. Bauchtanz hat im arabischen Raum eine jahrhundertealte Tradition, jetzt wird aber allmählich befürchtet dass diese Kunst dort langsam ausstirbt weil Bauchtänzerinnen zunehmend als "unmoralisch" diffamiert werden und sich deshalb immer mehr Frauen aus dem Gewerbe zurückziehen. Es mag also schon sein dass der Koran da eigentlich liberaler ist, gelebt und unterrichtet wird er in der Realität aber zunehmend anders, wie ja auch die Aussage des von mir zitierten Koranschulenlehrers zeigt, und das ist das Problem.

Man kann sich nur mehr auf den Kopf greifen. Da werden mit dem Geld der australischen Steuerzahler Islamschulen gebaut! Die Islamisierung der Gesellschaft in Indonesien ist schon errschreckend genug, diesen Prozess auch noch zu fördern ist jedoch kriminell.

Islamisierung der Gesellschaft in Indonesien?

Indonesien ist überwiegen islamisch - schon sehr sehr lange. Schon lage bevor es Worte wie Al Kaida gab.
Aber ich gebe Ihnen, Recht - Investitionen in die Bildung sind schlecht für eine kriegsorientierte Exportwirschaft.

ob Schulbildung wirklich deradikalisiert das bezweifle ich.

Aber immerhin ist sie ein positiver Beitrag für Entwicklungshilfe.

....und den Konservativen steht der Geldbeutel näher als alles andere, pfui!

"dass vor allem überdurchschnittlich gebildete Menschen zu Terroraktionen neigen"

Bitte nur 1Beispiel.

(Bitte nicht Mohamed Atta etc.:Versager.)
Bei dem Bombenversagen am Hauptbahnhof Köln sagte ein Professor über den Ingenieur-Studenten-Bombenbauer aus: "Es hätte mich bei seinen Studienleistungen gewundert, wenn es funktioniert hätte."

Merke: Es gibt keine gebildeten Islamisten.

naja

aber immerhin wollen 40 % der englischen akademiker die scharia mit gewalt

http://www.dailymail.co.uk/news/arti... a-law.html

eine offene korandiskussion sollte wohl auch thema der bildung sein

Gift für diesen Planeten

sind die Konservativen Parteien

Bildung ist die einzig sinnvolle Art von Entwicklungshilfe.

Wobei ich sogar an deren Sinnhaftigkeit meine Zweifel habe.

Zweischneidig

Das Naturgesetz bleibt, dass vor allem überdurchschnittlich gebildete Menschen zu Terroraktionen neigen.

Von der RAF bis Al Quaida entstammen die Kader meißt aus Mittelschichtfamilien mit guter Berufsausbildung.
Ärzte, Lehrer, Juristen und Ingeniure sind die traditionellen Risikogruppen.

Ungebildete und unselbständige Menschen sind höchstens als Kanonnenfutter für diese Leute von Relevanz.
Von selbst wird sich keiner armer Mensch jemals für eine Ideologie in die Kuft jagen ;)

Es sterben jährlich einige wenige Personen

an Pilzvergiftung. Ich schlage daher vor, jegliche Nahrungsaufnahme in Zukunft zu vermeiden.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.