Verdauung: Eine Woche Schwerarbeit

  • Auch die Burger bedienen sich im Darmtrakt peristaltischer Fortbewegung
    foto: reuters/eric thayer

    Auch die Burger bedienen sich im Darmtrakt peristaltischer Fortbewegung

160 Stunden braucht Essen nach Abzug von Nährstoffen und Wasser bis zur Ausscheidung

180 Tage an der Luft und am Ende optisch und olfaktorisch beinahe unverändert: das Experiment einer New Yorkerin ein Happy Meal von McDonald's unangetastet liegen zu lassen, sorgte für eine Überraschung. Weit weniger überraschend: im Körper sieht die Sache mit dem Burger anders aus. Zwei Monate dauert es angeblich bis ein Mensch einen Burger restlos im Körper verdaut, macht ein Mythos glauben. "Genauer Betrachtet" widmet sich dieses Mal dem Verdauungsvorgang.

Eine Woche Zerkleinerungsarbeit

Ein Mischmasch aus Chemie, Physik und Enzymen bewirkt das durchaus komplexe Verdauungsgeschehen, das in mühevoller Kleinarbeit für unsere Energiegewinnung sorgt. "Die maximale Transitzeit durch den Verdauungstrakt dauert rund 160 Stunden, also nicht mehr als eine Woche", klärt Gernot Faustmann vom Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Grazer Karl-Franzens-Universität auf. Für einen zwei-monatigen Verdauungsprozess eines Burgers gebe es daher keinerlei Anhaltspunkte.

Die so genannte Passagezeit von Lebensmitteln kann aber je nach Zusammensetzung der Speisen wesentlich variieren. "Die Verweildauer von Fetten, gefolgt von Proteinen und Kohlenhydraten, im Magen ist am längsten", so Faustmann. Die Transitzeit durch den Darm werde in erster Linie von Art und Menge unverdaulicher Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe, Anm.) bestimmt.

Die Fortbewegung

Vorwärts kommt der Speisebrei mit Hilfe peristaltischer, also wellenförmiger, Bewegungen. Dabei wird er ständig mit Verdauungssekreten durchmischt: "Im Magen herrscht ein durch Salzsäure verursachtes, sehr saures Milieu, welches eine tragende Rolle in der Eiweißverdauung spielt", weiß Faustmann.

Der physikalische Weg

Die mechanische Zerkleinerung und die Durchmischung des Speisebreis mit Verdauungsenzymen beginnen bereits in der Mundhöhle. Nach dem Kauen geht es weiter über die Speiseröhre in den Magen, wo das Nahrungsgemisch - je nach Art - ein bis acht Stunden bleibt. Das gebratene Fleisch eines Burgers kann bis zu sechs Stunden Aufenthalt im Magen benötigen, Reis oder Brot aber nur rund zwei Stunden.

Der Mageninhalt wandert dann durch den Dünndarm weiter - mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas mehr als einem Zentimeter pro Minute braucht er dafür etwa sieben bis neun Stunden. Für den darauffolgenden Dickdarm benötigt die Nahrung 25 bis 30 Stunden. Relativ stark schwankt die Verweildauer des Stuhls im Enddarm: zwischen 20 und 120 Stunden.

Nährstoff-Aufnahme ins Blut

Der Hauptort der Verdauung ist allerdings der Dünndarm: im oberen Abschnitt werden dort Bauchspeichel und Gallensalze abgegeben. "Nun sind die Nährstoffe zur Aufnahme ins Blut (Proteine, Kohlenhydrate, wasserlösliche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente) und in die Lymphe (Fette und Fettbegleitstoffe wie z.B. fettlösliche Vitamine) bereit", erläutert die Grazer Humanmedizinerin Brigitte Winklhofer-Roob, Leiterin des Human Nutrition & Metabolism Research and Training Centers an der Karl-Franzens-Universität.

Unverdauliche Überreste wandern in den Dickdarm, wo ein teilweiser bakterieller Abbau stattfindet und der Speisebrei durch Wasserentzug eingedickt wird. Der nun übrige Rest wird als Stuhl ausgeschieden.

Was die Verdauung beeinflusst

Nicht jeder Mensch verdaut allerdings gleich: "Natürlich gibt es eine normale biologische Variabilität der gastrointestinalen Transitzeit, welche von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. In einem gewissen Ausmaß ist diese Variabilität gewiss genetisch determiniert", so Winklhofer-Roob. Es werde angenommen, dass hormonelle Unterschiede zwischen Mann und Frau die Motilität (Bewegungsfähigkeit, Anm.) der gastrointestinalen Muskulatur beeinflussen können. Das könne unter anderem auch ein Grund dafür sein, dass Frauen häufiger von Obstipation betroffen sind als Männer.

"Die Annahme, dass weibliche Geschlechtshormone die Darmmotilität reduzieren, wird auch durch die Beobachtung bekräftigt, dass Frauen nach der Menopause eine kürzere und Frauen, die hormonelle Kontrazeptiva verwenden, eine verlängerte gastrointestinale Transitzeit aufweisen", weiß die Humanmedizinerin. Körperliche Bewegung und die Psyche spielen zusätzlich eine Rolle. Auch die Nahrung selbst beeinflusst die Verdauung: Häufigkeit, Menge und Zusammensetzung sowie der Konsum von Kaffee und Alkohol tun ihr Weiteres. (mat, derStandard.at, 23.03.2011)

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Wenn ich Mais esse

dann ist der am nächsten Tag wieder draußen! Wo soll sich der denn eine Woche lang halten? So ein Unsinn. Ausserdem, wenn einer 5 Tage nicht am Topf geht, dann tut der mir leid. Pflanzliche Kräuter. Na no na ned: schon einmal was von tierischen Kräutern gehört?

Schlampiger Journalismus

Der Wissenschaftler hat die Daten geliefert, der Journalist hat den absoluten Extremfall--eine Person, die nur alle fünf Tage Stuhlgang hat--hergenommen und daraus fälschlicherweise auf die Gesamtbevölkerung geschlossen.

Sie haben das falsch verstanden:
Eine Person, die jeden Tag isst, hat trotzdem jeden Tag Stuhlgang.
Nur dass der Stuhl eben jeweils 5 Tage alt ist, wenn er an die Oberfläche kommt.
Dass es sich dabei trotzdem um eine Extremwertbetrachtung geht, damit haben sie natürlich recht - wenn man sich nur mit Burgern und ähnlich "wertvollen" Nahrungsmitteln ernährt, kann dieser Extremfall jedoch tatsächlich eintreten.
Leider gibt es davon aber genug Beispiele...

wer hat denn diesen topfen zusammengeschustert?

was für eine gute Verdauung hilft sagt im Bericht wieder mal keiner...
Pflanzliches Kräuter und unerhitzes Gemüse sind sehr gut verdaulich!

Pflanzliche Kräuter finde ich auch klasse, die stehen wohl im Gegensatz zu tierischen Kräutern...

Da fehlt wohl nur das Komma dazwischen... ;)

Gibt's auch nicht planzliche Kräuter?

"Pflanzliches Kräuter und unerhitzes Gemüse sind sehr gut verdaulich!"
Stimmt 100 %tig, aber nur für Wiederkäuer.

Auch ein Beistrich bringt keine Lösung ...

ein paar Eßlöffel Mayo

und das Zeug ist erheblich flotter wieder heraussen :)

habe mir das video zum "unverrottbaren" burger eben angeschaut

und jetzt ist mir einiges klar. das ding trocknet einfach vor sich hin. nicht anders als ein stück schinken in einer semmel oder ein schnitzel auf einem stück brot.

ist das ein tippfehler? 16 stunden klingen realistisch. mittags gegessen, am nächsten morgen ausgeschieden.

allerdings finde ich die durschnittsgeschwindigkeit von 1cm pro minute witzig. stellt euch vor, man würde das spüren, wenn sich die nahrung in die kurve legt... :o)

Vor allem im Colon sigmoideum ;o))

Iss mal ein gscheites Chili mit schön vielen Bohnen, dann spürst du's wirklich ;p

Ha, das wollt ich auch schreiben. 160h ist mMn auch unglaubwürdig.

wirkt sich alkohol und kaffee jetzt also positiv auf die Verdauungstätigkeit aus?
ich trinke jeden morgen 2-4 EL verdünnten apfelessig....seitdem, kommt mir vor, verdaut sichs viel schneller und besser....!
und stimmt die regel, wenn man jeden bissen etwa 30 mal kaut, das besser für den Verdauungsprozess sein soll?!

gesunde ernährung in kombination mit allen 2 tagen 30-60 minuten bewegung an der frischen luft, so lässt sichs leben (verdauen)....

Nach F.X. Mayer:

Gut gekaut ist halb verdaut.

nach meiner erfahrung

wirkt sich alkohol eher negativ auf die verdauung aus (mag aber vielleicht an der kombination mit zigaretten liegen)...

kupferarmband tragen nicht vergessen.

Und rechtsdrehenden Whisky trinken. ;o))

Containerweise.

Und wenn es dich dann nach links dreht?

das mit dem burger glaube ich nicht, sorry.

spätestens nach 48 stunden sind die ersten fliegen auf dem ding und nach 180 tagen hast du außer fliegen nichts mehr in der wohnung...

btw.: Wenn man selbst ein Burger-Brötchen selbst aus lauter Bio-Zutaten herstellt, sich frisches Faschiertes aus Biofleisch besorgt und ohne weitere Zutaten brät, und daraus einen Burger ohne weitere Zutaten bastelt und diesen stehen lässt, dann passiert gar nichts, außer dass der Burger vertrocknet.

Der Grund: Mikroorganismen benötigen für das Wachstum eine bestimmte Menge Feuchtigkeit, die in dem Burger einfach nicht vorhanden ist.

Hätte die Dame einen Original-Burger verwendet, mit Mayo und Ketchup und Gurkerl usw, hätte dieses Experiment vermutlich nicht funktioniert.
Aber alles was sich gegen McD richtet, wir nicht hinterfragt und begeistert aufgenommen...

das rätsel um den unverderblichen hamburger

hat mich neugierig gemacht. ich werde das testen und einen hamburger sowie eine wurstsemmel offen liegen lassen.

bericht folgt.

hängt von der luftfeuchtigkeit ab

wenns staubtrocken ist, passiert nicht viel

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