Der große Sanftmütige

16. Februar 2011, 17:24
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Songwriter Bernhard Eder hat sich der Melancholie mit Wandergitarre verschrieben. Still und heimlich hat er sich damit zu einem der erfolgreichsten heimischen Musiker gemausert.

Wien - Dass Musik heute mehr denn je ein hartes Geschäft ist, bekommen die jungen Leute von heute nicht nur in diversen TV-Casting-Formaten ständig um die Ohren gehauen. Stichworte: Disziplin, Arbeit, eiserner Wille, Dieter Bohlen. Auch im ernsthaften Popfach liegt es angesichts einer niedergehenden Industrie vermehrt an den Künstlern selbst, sich entsprechend in Position zu bringen und zu vermarkten.

Da kann die Musik noch so gut sein: Wer sich nicht selbst am Schopf packt und über Netzwerke raus aus dem Hobbykeller auf eine professionelle Basis stellt, dem wird sehr schnell nur der Ruhm daheim im Stammlokal bleiben.

Der von einem Bauernhof im Hausruckviertel stammende Bernhard Eder hat das frühzeitig erkannt. Nach Anfängen in der elektronischen Klängen nicht abgeneigten Wiener Popband Wa:rum verabschiedete sich der gelernte Automechaniker, studierte Tontechniker und Jazzsänger für zwei Jahre nach Berlin.

Dort baute er nicht nur weiter sein eigenes Label Tron auf und suchte Kontakte zur deutschen Veranstalterszene. Eine Knochenarbeit, die heute dafür sorgt, dass Eder live eher in Deutschland als in Österreich auf den Bühnen steht. Immerhin wurde das jetzt vorliegende neue Soloalbum To Disappear Doesn't Mean To Run Away vor einigen Wochen an der Berliner Volksbühne erstmals präsentiert - und nicht in Wien, wo er seit geraumer Zeit wieder mit seiner Frau, der Violinistin Vera Eder, lebt.

Der heute 35-Jährige wechselte in Berlin auch endgültig das Fach. Vom elektronischen Pop hin zum sanftmütigen Songwritertum auf akustischen Instrumenten ging die Reise. Die Arbeiten The Living-room Sessions und Tales From The East Side wurden in der deutschsprachigen Presse mild gefeiert. Sie sorgten für einen vollen Terminkalender. Mit laut Eigenaussage 70 bis 80 Konzerten jährlich liegt Eder zweifellos im Spitzenfeld unabhängiger Musiker aus dem Alternative-Bereich.

Bernhard Eder stellt nun die Lieder von To Disappear ... auch in Österreich vor. Stücke wie Lost And Found, Sad Ballad Man oder Until The End beweisen, dass man das oft niederdrückend Melancholische einer an Altvorderen wie Nick Drake oder Eliott Smith oder den Kings of Convenience geschulten Songschreiberkunst auch leicht und souverän klingen lassen kann. Selbst die Hürde, als Österreicher englisch zu singen und dabei trotzdem glaubhaft zu bleiben, wird vom Mulitinstrumentalisten souverän genommen.

Zart schwebende und dennoch vor Spannung federnde Lieder wie Good To Be oder das mit im mexikanischen Fach trainierter Trompete behübschte Unexpected schwingen sich so zum Breitwandformat auf. Streicher vibrieren im Hintergrund, Bass, Schlagzeug und Klavier sorgen für unerwartete Energie in der Lebensmüdigkeit. Mit hoher Kopfstimme zieht Eder darüber seine lyrisch im Graubereich von Verzweiflung und Durchhaltewillen geprägten Gesangslinien.

Atmender Raum

Die Saiten der Gitarre schnarren, die Streicher gehen bei Sad Ballad Man ins Stakkato. Später einmal weint eine Hawaiigitarre in den Kräutertee. Man soll sich von dem unaufdringlichen Grundton dieses Mannes nicht abschrecken lassen. Eder setzt die Arrangements mit allergrößtem Bedacht auf Arrangement, Anliegen und Wirkung.

Selten hat man einen heimischen Musiker das Tonstudio zu einem derart inniglich atmenden Raum machen hören. Nach den Liedern seines Wiener Kollegen Florian Horvath, dem er sich etwa in With My Head In Hand annähert, gilt auch bei Bernhard Eder: Selbst in der Gummizelle kann man sich den Kopf blutig stoßen. Man muss es nur versuchen.  (Christian Schachinger/ DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2011)

CD-Präsentation   Do., 17. 2., im Wiener TAG. Sa., 19. 2., Spielraum, Gaspoltshofen. 1. 4., Arge Nonntal, Salzburg, ab 20.00

Weitere Termine unter:  bernhardeder.net

  • Der heimische Songwriter Bernhard Eder präsentiert sein neues Album "To 
Disappear Doesn't Mean To Run Away".
    foto: solaris empire

    Der heimische Songwriter Bernhard Eder präsentiert sein neues Album "To Disappear Doesn't Mean To Run Away".

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