AMS-Berater rüsten für die totale Öffnung

17. Februar 2011, 09:21
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In der Slowakei und in Wien stimmt man sich auf die Arbeits­marktöffnung im Mai und eine zusammenwachsende Region ein

Wien - Was die totale Arbeitsmarktöffnung am 1. Mai genau bringen wird, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Das Ende der Übergangsregelungen sieben Jahre nach dem EU-Beitritt der Tschechischen Republik, Estlands, Lettlands, Litauens, Ungarns, Polens, Sloweniens, und der Slowakei ermöglicht Arbeitnehmern aus diesen Ländern den vollständigen Zugang zum Arbeitsmarkt in Österreich.  15.000, 25.000 oder weitaus mehr Arbeitskräfte könnten über die Grenze kommen, um in Österreich ihr Glück auf dem Arbeitsmarkt zu suchen.

Einigkeit besteht aber darüber, dass bis 2015 Beschäftigung wie Arbeitslosigkeit steigen werden. Während sich die Betriebe hierzulande also ganz sicher über mehr Bewerbungen freuen können, wird vor allem der Druck auf schlecht Qualifizierte steigen, wie eine Expertenrunde am Mittwoch in Wien anlässlich der Präsentation des EU-Projektes "Increase" in Wien betonte.

Verstärkter Qualifizierungsauftrag

Deren Anteil ist in der Hauptstadt mit 50 Prozent der Arbeitslosen hoch, so die Wiener AMS-Vizechefin Inge Friehs. Friehs ortet deswegen im Zuge der Arbeitsmarktöffnung für das Arbeitsmarktservice einen verstärkten Qualifizierungsauftrag. Der Haken: Das Geld dafür wird nicht mehr, sondern eher weniger. Dennoch lautete der Tenor am Mittwoch: Die Öffnung bringt Chancen und Herausforderungen.

Um jenen, die sich in der Region Wien/Bratislava stellen, gewachsen zu sein, wurden die AMS-Berater aus Österreich und der Slowakei im vergangenen Jahr im Rahmen von "Increase" auf die vollständige Öffnung des Arbeitsmarktes vorbereitet. Ziel sei es gewesen, Erfahrungen auszutauschen und die Berufsberater auf die Besonderheiten des benachbarten Arbeitsmarktes hinzuweisen, sagte der Projektverantwortliche Markus Kapsammer. Vor allem sozial benachteiligte Arbeitnehmer sollen davon profitieren. Für Fachkräfte habe es in der Vergangenheit nämlich allerhand Ausnahmeregelungen gegeben.

Eine Region wächst wieder zusammen

Lehrlingsaustauschprogramme, Plattformen zum grenzüberschreitenden Berufsvergleich sollen langfristig Schwellenängste schon bei den jungen Arbeitnehmern abbauen und sie an eine offene Arbeitswelt mit grenzüberschreitender Weiterbildung und Arbeitsvermittlung in der Region hinführen.

"Qualifizierung ist bisher schon das Thema", so die Geschäftsführerin der Waff Programm-Management GmbH, Erika Hess. Der Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds setzt außerdem auf Transparenz und mehrsprachige Beratung - ab März auch auf Tschechisch und Slowakisch. Nicht nur rosig sieht FAB (Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung)-Geschäftsführerin Silvia Kunz die nahe Zukunft. Sie wünscht sich eine rasche  Angleichung der Standards in den Ländern: "Um die arbeitsrechtlichen und ökonomischen Standards anzugleichen, ist politischer Druck notwendig."

Andere Strukturen

Die Mittel von 40.000 Euro kamen aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE). Verantwortlich für die Durchführung zeichnete der Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (FAB). "In der Slowakei gibt es solche Vereine nicht", so Kapsammer. Deswegen sei der Nutzen für die slowakischen Projektteilnehmer potenziell größer gewesen. Eine Fortsetzung der Aktivitäten ist nicht geplant. (Regina Bruckner, derStandard.at, 16.02.2011)

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    Slowakische und österreichische AMS-Berater wurden in vier Seminaren in Wien, Bratislava und Trnava auf den Stichtag 1. Mai vorbereitet.

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