Ladegerät 100 Prozent bulgarisch

17. Februar 2011, 08:03
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Große Neuerungen haben viele Väter, das Universal-Ladegerät für Mobiltelefone hat aber nur einen, genauer gesagt: ein Ehepaar. Solomon und Gergana Passy, Ex-Außenminister (2001-05) und Ex-Europaministerin (2007-2009) in Bulgarien, kämpfen um ihren Anspruch, die wahren Erfinder des Ladegeräts zu sein.

Die Idee sei ihnen 2008 am Ende eines arbeitsreichen Tags beim Abendessen im Sofioter Wohnzimmer gekommen, erzählte Ehemann Passy bulgarischen Journalisten. Sogleich habe er der EU-Kommission den Vorschlag unterbreitet, gemeinsam mit einem bulgarischer Ingenieur namens Ivan Batsarov habe das Ehepaar dann „Teile des Ladegeräts" patentieren lassen. Der Ruhm ist ihnen sicher, glaubt Passy: „Das Universal-Ladegerät stellt den Glauben der Völker an die Europäische Union wieder her." EU-Kommissar Antonio Tajani bescheinigte beiden auch die großen Verdienste um das Ladegerät. Auf der PR-Webseite der Brüsseler Kommission für den „common charger case" fehlt jedoch jede Würdigung der beiden Bulgaren.

Dabei haben Solomon (54) und Gergana (37) Anerkennung bitter nötig. Seit seiner Ministerzeit war dem Ehemann kein politischer Erfolg mehr beschieden. Sein Abgeordnetenmandat verlor er bei den Wahlen 2009, als Kandidat für das Amt des Nato-Generalsekretärs wie für jenes des Bürgermeisters in der Kleinstadt Smoljan zog er den Kürzeren. Gergana gelang es zwar irgendwie, den Machtwechsel von der Regierung des Ex-Königs Sakskoburggotski zum Sozialisten Stanischev im Kabinett zu überdauern. Bei der nächsten Regierung flog sie dann doch hinaus und musste sich unter anderem für ihre Ministerbesuche im Spa-Bereich des Diplomatischen Klub in Sofia auf Kosten der Steuerzahler rechtfertigen.

Wenigstens bleiben dem Paar noch ein paar bulgarische Journalisten ergeben. Die Tageszeitung 24 Chassa wartete mit einer geschmackvollen Collage auf dem Titelblatt auf, um die Erfindung des mobilen Ladegeräts durch die neuen Genien des Balkangebirges zu feiern. Solomon Passy, so weihräucherte ein Journalist, sei nun ein Kandidat für den Wirtschafts-Nobelpreis. Vielleicht hingen die Kollegen aber auch nur zu lange am Stromnetz.

  • Artikelbild
    foto: markus bey
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