Atrium verklagt Meinl-Bank-Chef wegen Russland-Geschäfts

16. Februar 2011, 15:23
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Wien - Zwischen der Meinl Bank und der Immobiliengesellschaft Atrium, ehemals Meinl European Land (MEL), fliegen die Hackln weiter tief. Kürzlich wurde bekannt, dass Atrium dem Banker Julius Meinl V. in London nachstellen ließ, um zu beweisen, dass er dort seinen Lebensmittelpunkt hat. Heute, Mittwoch, gab die Jersey-Gesellschaft bekannt, die Meinl Bank und deren Chef Peter Weinzierl in Wien auf 15,8 Mio. Euro verklagt zu haben. Es geht um angebliche Malversationen im Zusammenhang mit einem Joint Venture im Jahr 2005 in Russland. Weinzierl findet die Klage "absurd, populistisch und ohne Grundlage", das Geldhaus habe immer im Rahmen des Rechts agiert.

Die Klage sei "das Ergebnis der laufenden Ermittlungen von Atrium, die Meinls Verhalten während des seinerzeitigen Managements der Gesellschaft intensiv untersuchen", ließt Atrium in einer Aussendung wissen.

Thema der am Handelsgericht (HG) Wien eingebrachten Untreueklage ist ein Immobilien-Joint-Venture in Russland, an dem die MEL 55 Prozent und ein russischer Partner 45 Prozent halten sollte. Weinzierl war laut Atrium bevollmächtigt, die Joint-Venture-Vereinbarung entsprechend dem MEL-Vorstandsbeschluss umzusetzen.

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Er habe den Vorstandsbeschluss aber verletzt und - zum Schaden der MEL - 10 Prozent der gewinnbringenden Anteile der Meinl Bank zukommen lassen, sodass die MEL nur 45 Prozent der Anteile und des Gewinns hielt, so der Vorwurf des nunmehrigen Atrium-Managements. Am Ende - unmittelbar vor Beendigung des Managementsvertrags zwischen Meinl Bank und MEL - habe die MEL das 10-Prozent-Paket um den Preis von 16,8 Mio. Euro wieder zurückgekauft. Der Verkäufer hat Atrium zufolge einen Nettogewinn von 15,8 Mio. Euro erzielt - genau jenen Betrag will sich die Immogesellschaft jetzt zurückholen.

Stimmt alles nicht, kontert die Meinl Bank. Die Bedingungen und Beteiligungsverhältnisses des Joint Ventures seien in allen MEL-Geschäftsberichten und -Prospekten korrekt offengelegt gewesen. "MEL hatte einen Anteil von 55 Prozent der Stimmrechte und 45 Prozent der Anteile, 10 Prozent hielt die Meinl Bank", so das Geldhaus in einer Aussendung. Im Zuge des Einstiegs von CPI/Gazit sei der Verkauf der Anteile der Meinl-Bank-Gruppe an MEL/Atrium erfolgt. Der entsprechende Vertrag sowie die Zahlungen seien gegenüber CPI/Gazit sowie dem neuen Atrium-Management offengelegt und von diesen genehmigt worden.

Atrium, ätzte Weinzierl, müsste wegen des "Missmanagements" in Russland mindestens 40 Mio. Euro abschreiben. "In besagtem Joint Venture befinden sich auch drei Entwicklungsprojekte in den russischen Städten Astrakhan, Ryazan, und Niznij Novgorod. Faktum ist, durch Inkompetenz von Atrium-CEO Rachel Lavine hat Atrium diese Projekte in den vergangenen zwei Jahren verloren."

Nun habe der russische Joint-Venture-Partner Atrium auf Auflösung eines Joint-Ventures in Zypern geklagt, behauptet der Banker weiter. "Damit läuft Atrium Gefahr, einen wesentlichen Teil des russischen Portfolios zu verlieren." Atrium habe darüber aber keine Ad-hoc-Mitteilung gemacht, womit den Anlegern "wesentliche Informationen" vorenthalten würden.

Weitere Klage

Dem Vernehmen nach arbeiten die Atrium-Anwälte schon an weiteren Klagen gegen Meinl. "Atrium wird weiterhin rechtliche Schritte unternehmen, wenn dies im Interesse der Gesellschaft und ihrer Aktionäre geboten ist", hieß es in der Aussendung.

Atrium hat vergangenen Sommer eine 2,1 Milliarden Euro schwere Klage gegen Meinl in London eingebracht. Es wird immer noch darüber gestritten, ob Großbritannien überhaupt der richtige Gerichtsstandort ist. Die Meinl Bank bestreitet dies und argumentiert, Julius Meinl wohne zwar in London, habe aber seinen Lebensmittelpunkt in Österreich. Atrium freilich ist - wohl nicht zuletzt wegen der viel niedrigeren Gerichtsgebühren in London - von Gegenteiligem überzeugt und hat dem Banker deshalb einen Detektiv auf den Hals gehetzt. Was die Meinl Bank natürlich empört. Atrium verteidigt das Vorgehen, man habe davor immerhin mehrere Male erfolglos versucht, bei Julius Meinl in Erfahrung zu bringen, wo er wohnt.

Wohnsitz hin oder her, Meinl sieht sich selbst als durch und durch britisch. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, als seine Familie von Österreich nach London geflohen sei, sei zu Hause Englisch gesprochen worden, erzählte er im Mai 2009 dem britischen "Telegraph": "Ich las Englisch, sprach Englisch und träumte in Englisch." (APA)

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