Slowenischer Hypo-Chef will auf Kundenfang gehen

16. Februar 2011, 14:04
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Marktbeherrschende Leasing-Tochter soll Bank zusätzliches Geschäft verschaffen

Ljubljana - Der neue Chef der Slowenien-Tochter der Hypo Alpe Adria Bank, Alexander Picker, sieht sich nicht nur als Feuerwehrmann und Aufräumer. Wie der bisherige UniCredit-Manager der slowenischen Tageszeitung "Delo" (Mittwochausgabe) sagte, will er die Bank auf Wachstumskurs bringen, indem Kunden der marktbeherrschenden Leasingtochter auch für Bankgeschäfte gewonnen werden. "Vor allem jetzt nach der Krise haben wir in Slowenien die große Chance zu wachsen und uns zu entwickeln, wenn wir einmal in der Bank aufgeräumt haben werden", sagte Picker.

"Mit dem Potenzial, das wir als größter Leasinggeber im Land haben, werden wir aus den Problemen kommen und die Kreditprobleme lösen", sagte der Salzburger. Die Hypo-Leasingtochter kontrolliert 48,5 Prozent des slowenischen Marktes, wobei die Hälfte des 2,57 Milliarden Euro großen Vermögens auf den kriselnden Immobiliensektor entfallen. Hier macht Hypo etwa die Insolvenz des Baukonzerns Vegrad zu schaffen.

Keine Angaben zu Verlusten

Entsprechend den Vorgaben der Hypo-Führung will Picker in Slowenien die Zusammenführung von Bank- und Leasinggeschäft vorantreiben. "Die Bank ist in Slowenien nicht so groß, das Leasinggeschäft dagegen schon. Dort gibt es viele Kunden, die wahrscheinlich nicht Kunden unserer Bank sind." Er wolle diesen Kunden "umfangreiche und gute Lösungen" anbieten, kündigte der neue Hypo-Ljubljana-Chef an. Er äußerte sich bedeckt zu Gerüchten, wonach die Hypo im Vorjahr in die roten Zahlen gerutscht sei. Der Bank gehe es zwar "nicht sehr gut", doch laufe das operative Geschäft gut. Schwierigkeiten verursachen lediglich die hohen Abschreibungen und Rückstellungen.

Laut Picker wird sich die Hypo künftig vor allem auf Klein- und Mittelbetriebe konzentrieren. Von Firmenbeteiligungen, die ihr durch Aktienbesicherungen zufallen sind, wolle sich die Bank trennen. "Wir wollen kein Imperium gründen oder Slowenien aufkaufen, wir möchten eine Bank sein", sagte er etwa zum Hypo-Anteil am Verlagshaus Delo oder der Baumarktkette Merkur. Zugleich versicherte er, umsichtig mit dem bedeutenden Immobilienportfolio der Leasingtochter umgehen zu wollen. Experten befürchten einen Preisverfall, wenn die Hypo ihre Immobilien auf den Markt wirft.

Formell steht Picker noch nicht an der Spitze der slowenischen Hypo, weil er keine slowenische Bank-Zulassung hat. De jure wurden daher die Hypo-Manager Johannes Proksch und Wolfgang Edelmüller als Interimsvorstände installiert. Picker verteidigte im "Delo"-Gespräch die überfallsartige Ablösung seiner Vorgänger Anton Romih, Urban Golob und Andrej Lah, die er "nur von Fotos" kenne. "Es ist besser, einen klaren und schnellen Schnitt zu machen als lange zu verhandeln", sagte er zum Paukenschlag am vergangenen Mittwoch.

Der noch bis vergangenen Montag bei der UniCredit beschäftigte Bankmanager berichtete, erst vor drei Wochen von der Hypo kontaktiert worden zu sein. Daher benötige er noch Zeit zur Einarbeitung. "Ich habe noch nicht einmal eine Wohnung hier", berichtete er.

Der Hauptgrund für die Ablöse der bisherigen Bankführung sei "Vertrauensverlust" gewesen. Zu den konkreten Vorwürfen gegen Romih, Golob und Lah verwies er auf die Arbeit der Hypo-Ermittler. "Ich kenne die Dinge, aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt, sie öffentlich zu machen." Auch sei es nicht seine Aufgabe, "als Großinquisitor" gegenüber der früheren Führung aufzutreten. (APA)

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