Anfang vom Ende des Roamingschocks

16. Februar 2011, 14:09
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Die Deutsche Telekom führt EU-weit Pauschalen für Datenroaming ein - Damit sollen Kunden immer und überall surfen können

14 Tage Urlaub mit unbegrenztem Datenroaming um 14,95 Euro: Mit einer Flatrate will die Deutsche Telekom das leidige Thema der exorbitanten Kosten für Datengebrauch im Ausland beenden und ihren Kunden die Benutzung von Smartphones an jedem Ort schmackhaft machen. Drei Pakete werden ab Anfang Juli angeboten, erklärt Technologie-Vorstand Ed Kozel beim Mobile World Congress in Barcelona. Eine Tageskarte mit zehn Megabytes kommt auf 1,95 Euro, eine Tageskarte mit 50 Megabytes kostet 4,95 Euro.

Die Tarife gelten für Telekom-Kunden in Deutschland, T-Mobile Austria wie die anderen Landesgesellschaften müssen ihre Preise für ihre Kunden noch konkretisieren. Zu erwarten sind in Österreich ähnliche Preise: Üblicherweise sind Datentarife in Deutschland höher als in Österreich.

Von Smartphone bis iPad

Die Tarife für alle Arten von Geräten - von Smartphones bis zum iPad - gelten ab Anfang Juli in allen 27 EU-Staaten - nicht nur in T-Mobile-Netzen, sondern bei allen Providern. Beim ersten Datengebrauch entscheidet sich der Nutzer auf einer automatisch eingeblendeten Seite für ein Datenpaket. Ist bei Tageskarten die Datenmenge aufgebraucht, wird die Verbindung gestoppt, und man kann ein weiteres Paket kaufen. "Es gibt keinen Rechnungschock mehr", sagt Kozel. Haben sich Kunden einmal für das "Travel & Surf" genannte Angebot entschieden, gibt es keine anderen Gebühren als die Pauschalen. Beim 14-Tages-Pass wird nach Verbrauch einer noch festzulegenden Menge die Tempobremse gezogen, die Verbindung bleibt aber aufrecht.

"Unsere hohen Roaminggebühren begrenzten bisher die Verwendung der Netze, in die wir viel Geld investiert haben", erklärt Kozel im Gespräch mit dem Standard. "Man muss sich als Provider dafür entscheiden, ob man glaubt, dass der Markt elastisch ist und unsere Kunden mehr surfen, wenn die Preise niedriger sind. Dann werden wir so auch mittelfristig mehr Geschäft machen" - als jetzt mit wenigen Geschäftskunden, die weniger preisempfindlich seien.

20 Prozent des Umsatzes durch Daten

In Ländern wie Deutschland würden rund 20 Prozent des Umsatzes auf Daten beruhen, in hochentwickelten Märkten wie Japan hingegen über 50 Prozent. "Sobald die Daten 40 bis 50 Prozent der Rechnung ausmachen, beginnen wir die Einkommensverluste bei der Sprache auszugleichen", erklärt Kozel. "Wir sind darum sehr motiviert, für Datenwachstum zu sorgen. Wenn wir das auf das Heimatland beschränken, wird das nicht passieren." Wie lange dauert es, bis der Verzicht auf teures Datenroaming durch die Masse neuer Benutzer ausgeglichen wird? "Das weiß keiner, ich würde schätzen innerhalb von drei Jahren", sagt Kozel.

"Erstmals gehen wir jetzt bei der Debatte um die hohen Datenroaming-Tarife voran und laufen nicht der Drohung einer EU-Regulierung hinterher." Kozel erwartet, dass dieses Modell auch auf jeweils länderweise gestaltete Tarife Auswirkungen haben wird: Denn auch hier kann es zu bösen Überraschungen kommen, wenn Benutzer die vertraglich vereinbarten Datenmengen verbraucht haben - gegen jede Marktlogik wird höherer Konsum mit bis zu 20- bis 100-fachen Preisen bestraft.

Großer Fortschritt bei mobilen Bezahlungen

Das heurige Jahr werde auch großen Fortschritt bei mobilen Bezahlungen mit dem Handy bringen, erwartet Kozel. Zuerst in Deutschland und Polen wird die Deutsche Telekom das "Handy als Geldbörsel" einführen: Mit NFC-Technik ("near field communication") kann ein Handy bei entsprechenden Terminals Daten berührungslos übertragen. Dies kann z. B. auch als Zimmerschlüssel in Hotels dienen.

Eine Reihe von Smartphones, u. a. von Samsung, integrieren NFC, ein entscheidender Anschub für diese Technologie wird vom nächsten iPhone erwartet, das Ende Juni auf den Markt kommen wird. "Die Transaktionskosten für mobile Zahlungen mit NFC werden wesentlich geringer sein als bei Kreditkarten", sagt Kozel. (Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 16.2.2011)

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  • Am Mittelmeerstrand oder am Montmartre: Die Hemmschwelle, wegen 
hoher Roaminggebühren mobile Datendienste am Smartphone oder an anderen 
Geräten häufiger zu nutzen, soll durch eine Auslandsdatenflatrate 
herabgesetzt werden.
    foto: apn

    Am Mittelmeerstrand oder am Montmartre: Die Hemmschwelle, wegen hoher Roaminggebühren mobile Datendienste am Smartphone oder an anderen Geräten häufiger zu nutzen, soll durch eine Auslandsdatenflatrate herabgesetzt werden.

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