Ab Ostern englische Durchsagen in Stationen

16. Februar 2011, 14:49
472 Postings

Kontrollamt regt in Bericht Ende für Ticketverkauf in Öffis an

Ab Ostern werden die Durchsagen in den Stationen auch auf Englisch durchgesagt. Dabei wird es sich um Informationen zu Sicherheit, Rauchverbot und Störungen handeln. Schon im vergangenen Jahr wurde damit begonnen, die  Durchsage zur Abfertigung der U-Bahn-Züge von "Zug fährt ab!" auf "Zurückbleiben, bitte!" umzustellen. Diesen Punkt lobt das Kontrollamt in einem seiner fünf Berichte über die Wiener Linien, die am Mittwoch veröffentlicht wurden.

Auch die Tarifstruktur wurde geprüft und hier gab es Kritik: Den Wiener Linien wird empfohlen, die Einstellung des Fahrkartenverkaufs in Bussen und Straßenbahnen anzudenken. Außerdem ortete das Kontrollamt Mängel bei den Öffi-Sicherheitsstandards, wobei die Wiener Linien bereits in der Vorwoche Maßnahmen angekündigt hatten, die sich großteils mit den Prüfempfehlungen decken. Vereinzelte Mängel wurden auch im Datenschutzbereich geortet.

Nur geringer Umsatz aus Verkauf in Fahrzeugen

In puncto Tarifstruktur verwiesen die Prüfer darauf, dass bei Einzelfahrscheinen lediglich 0,9 Prozent aller Umsatzerlöse von Verkäufen in Fahrzeugen kämen. Es gibt mittlerweile in jeder U-Bahn-Station Fahrkartenautomaten sowie Kaufmöglichkeiten im Online-Shop und via Handy. Eine Berücksichtigung dieser Empfehlung des Kontrollamtes würde sowohl das Aus für die Ticketautomaten in Straßenbahnen bedeuten als auch den Kauf eines Fahrscheins beim Busfahrer künftig nicht mehr möglich machen.

Kritik an unübersichtlichen Kurzstrecken

Außerdem rügte das Kontrollamt die unterschiedlichen Freifahrts- bzw. Ermäßigungsregelungen für Familienangehörige von Wiener-Linien-Bediensteten: Diese sollten vereinheitlicht werden. Die Regeln würden derzeit evaluiert, betonten die Verkehrsbetriebe in einer im Bericht enthaltenen Stellungnahme. Empfohlen wurde zudem, die Kurzstreckenregelung transparenter zu machen. Die Tatsache, dass etwa die Fahrt zur übernächsten U-Bahn-Station als eine preisvergünstigte Kurzstrecke gilt, sei überhaupt nur "Insidern" bekannt, monierten die Kontrolleure.

Tarifreform im Sommer

Generell beschieden die Prüfer den Verkehrsbetrieben eine "sehr differenzierte Tarifstruktur", womit den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen Rechnung getragen werde. Außerdem seien Bemühungen um einen hohen Zeitkartenanteil - insbesondere bei den Jahreskarten - von Erfolg gekrönt gewesen. Damit gebe es eine "stabile Ertragsstruktur", wobei das Kontrollamt darauf hinwies, dass knapp ein Drittel aller Jahreskartenbesitzer die Seniorenermäßigung in Anspruch nehme, "wodurch der wirtschaftliche Erfolg nicht unwesentlich beeinflusst wird". Die Öffi-Betriebe verwiesen hierbei auf die für den Sommer geplante Tarifreform, in der dieser Aspekt berücksichtigt werde.

Datenschutz unter der Lupe

In weiteren Berichten wurden auch der Umgang mit Datenschutz und die Sicherheitsstandards im Öffi-Verkehr unter die Lupe genommen. Bei ersterem stellte das Kontrollamt hinsichtlich der Aufbewahrungsdauer personenbezogener Mitarbeiterdaten fest, dass die datenschutzrechtlichen Vorgaben nicht immer beachtet worden seien. Der Einsatz von Privatdetektiven in Verdachtsfällen des Krankenstandmissbrauchs - er hatte vor einigen Jahren für mediales Aufsehen gesorgt - sei aber lediglich anlassbezogen erfolgt, sodass "kein rechtlicher Hinderungsgrund" bestanden habe. Trotzdem wurde eine interne Kontrolleinheit angeregt, die im Verdachtsfall Mitarbeiter überwachen könnte.

Zwölf-Punkte-Paket für Sicherheit

In puncto Sicherheit hatten die Wiener Linien bereits vor einer Woche ein zwölf Punkte umfassendes Maßnahmenpaket präsentiert. Darin wurden Schritte angekündigt, die sich im Wesentlichen auf die Kritikpunkte bzw. auf damit verbundene Empfehlungen des heute veröffentlichten Kontrollamtsberichts beziehen. Dabei geht es vorrangig um Nachbesserungen beim Einklemmschutz im U-Bahn- und Bim-Bereich, verstärkte Sorgfalt bei Fahrzeugübernahmen, um höheren Brandschutz und die Ausstattung von Fahrerkabinen mit Atmungsgeräten und Klimaanlagen.

Tadel für langsame Reaktion bei Störfall Ende 2010

Weiters empfahlen die Prüfer, dass Evakuierungspläne dahingehend überprüft werden sollten, ob die Aufgaben der handelnden Stellen bei Störfällen "verständlich und ausreichend" genau beschrieben werden und die Tätigkeitsabfolge der unterschiedlichen Verantwortlichen eindeutig und logisch sind. Erst Ende 2010 - und somit nach dem Prüfungszeitraum - steckten rund 200 Passagiere zwei Stunden lang in einem defekten U-Bahn-Zug fest, was die Öffi-Betriebe u.a. mit Fehlentscheidungen des Einsatzleiters erklärten. Normalerweise muss ein Zug nach 15 Minuten evakuiert werden.

"Mängel und Schäden" bei Remisen

Schelte gab es schließlich auch noch bezüglich des Bauzustands einiger Öffi-Remisen. Hier sprachen die Prüfer von teils "umfangreichen Mängeln bzw. Schäden". Da in den nächsten Jahren die kostspielige Umrüstung der Hallen im Hinblick auf den zunehmenden Niederflurstraßenbahnbetrieb nötig sei, sollten die Verkehrsbetriebe aus ökonomischen Gründen gleichzeitig eine nachhaltige Sanierung der Gebäudehüllen vornehmen. Die Wiener Linien versprachen eine entsprechende Umsetzung vor allem unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit und des Denkmalschutzes. (red/APA)

derStandard.at/Panorama auf Facebook

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lob und Tadel im Kontrollbericht über die Öffis: Die Wiener Linien wollen die Kritikpunkte rasch berücksichtigen.

Share if you care.