"Leider ist es jetzt vorbei"

16. Februar 2011, 12:54
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Benjamin Raich erleidet im Teambewerb ohne zu stürzen eine schwere Knieverletzung und muss die Saison beenden. Frankreich gewinnt Gold, Österreich Silber und Schweden Bronze.

Marlies Schild eröffnete das Viertelfinale des Teambewerbs gegen Sofija Novoselic, sie war langsamer, Kroatien führte 1:0. Gefährte Benjamin Raich hatte sich mit Natko Zrnic-Dim zu messen. Nach wenigen Toren wurde er ausgehoben, landete hart auf dem linken Bein, und das war zu viel für das linke Knie. Raich (32) stürzte nicht und wurde dennoch zur Aufgabe gezwungen.

"Ich habe einen stechenden Schmerz im Knie gespürt", sagte der Pitztaler und humpelte mit ÖSV-Ärztin Brigitte Auer von dannen. Rasch sprach sich der Verdacht vom Kreuzbandriss herum. Raich wurde nach Innsbruck ins Sanatorium Kettenbrücke verfrachtet. Die Hiobsbotschaft namens Diagnose: Riss des linken vorderen Kreuzbandes, Knorpelabbruch des äußeren Schienbeinkopfes, Teileinriss des äußeren Meniskus. Operation, Weltmeisterschaft vorbei, Saison vorbei.

Das fünfte Opfer

"Ich bin sehr aufgewühlt", sagte er in Innsbruck und reagierte doch gefasst: "Ich habe noch zwei große Chancen gehabt. Leider ist es jetzt vorbei. Aber so etwas kann immer und überall, auch beim Training, passieren. Das ist Pech. Unser Team wurde zuletzt ganz schön geplagt, aber es muss irgendwie weitergehen. Wenn man den Hans sieht, dann ist das wieder relativ harmlos. Ich hoffe, dass bei mir alles gut verläuft."

Raich ist nach Hans Grugger, Mario Scheiber, Georg Streitberger und Marcel Hirscher heuer das fünfte Verletzungsopfer im österreichischen Spitzenskisport.

Schild wollte nach dem Unfall ihres Freundes nicht mehr arbeiten. Romed Baumann und Michaela Kirchgasser drehten das Viertelfinale gegen Kroatien noch um, Österreich stieg bei 2:2 dank besserer Zeiten ins Halbfinale auf. In diesem besiegten Kombiweltmeisterin Anna Fenninger, Philipp Schörghofer, Kirchgasser und Baumann das italienische Team mit 4:0. Das Finale gegen Frankreich ging bei 2:2 dank schlechterer Zeit verloren. Schweden gewann das Match um Bronze gegen Italien mit 4:0, Anja Pärson ihre 18. Medaille bei Großereignissen.

Kirchgasser verlor das Duell mit Anemone Marmottan um ein Hundertstel. Ein Remis in diesem Lauf hätte für Gold gereicht. "Gold, Silber oder Bronze, das ist doch egal, wenn man am Abend nicht gesund ins Bett steigen kann", sagte Kichgasser und wünschte Raich gute Besserung. "Das ist bitter für den Benny und für uns alle. Aber das ist Skifahren", merkte Schörghofer an. Raich, stets bescheiden, stets höflich, hatte erstmals in seiner Karriere richtig Pech. Seit 1999, als er sein erstes Rennen, den Nachtslalom in Schladming gewann, im Finale vom 23. auf den ersten Platz nach vorne stürmte, schmückt er die Weltspitze. Im Gesamtweltcup kam der Tiroler in den vergangenen sieben Jahren stets unter die ersten Drei, 2006 holte er sich die große Kristallkugel. Dreimal gewann er die kleine Kugel im Slalom, zweimal jene im Riesenslalom, einmal jene in der Kombi. Er feierte 35 Weltcupsiege und wurde 2006 in Turin Olympiasieger im Slalom und im Riesenslalom.

Gestern gewann Raich, der im Super-G Fünfter und in der Superkombi Vierter wurde, seine insgesamt 14. Medaille bei Großereignissen.

Gips für Cuche

Am Mittwoch verletzte sich auch Didier Cuche. Der Abfahrts-Vize stürzte beim Riesenslalomtraining in Oberjoch, ein Mittelhandknochen in der linken Hand brach, sie wurde eingegipst. Der 36-Jährige hat dennoch vor, beim WM-Riesenslalom am Freitag mitzuwirken. Ohne Cuche scheiterte das schweizerische Team im Viertelfinale an Schweden.(Benno Zelsacher aus Garmisch-Partenkirche, DER STANDARD Printausgabe 17.02.2011)

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    Romed Baumann, Michaela Kirchgasser, Anna Fenninger und Philipp Schörghofer.

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    Der Teambewerb endete für Benjamin Raich trotz einer Silbermedaille tragisch.

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