Trauerfeier für getöteten Demonstranten

16. Februar 2011, 12:43
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Innenminister äußert tiefes Bedauern über Todesfälle

Manama - Im Golfstaat Bahrain haben am Mittwoch rund 2000 Menschen an der Beisetzung eines von Sicherheitskräften getöteten Demonstranten teilgenommen. Während der Trauerfeier in Mahus, einem schiitischen Vorort der Hauptstadt Manama, riefen sie "Das Volk fordert den Sturz des Regimes". Der Demonstrant war am Dienstag ums Leben gekommen, als Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Teilnehmer einer Trauerfeier für einen bereits zuvor getöteten Protestteilnehmer vorgingen.

Innenminister Scheich Rached ben al-Khalifa äußerte am Mittwoch in einer Fernsehansprache sein "tiefes Bedauern" über die beiden Todesfälle. Er kündigte an, die verantwortlichen Sicherheitskräfte zur Verantwortung zu ziehen und eine Untersuchung zu den genauen Umständen der Vorfälle einzuleiten. Der Minister betonte, dass er die Sicherheitskräfte immer darauf hingewiesen habe, "Zurückhaltung an den Tag zu legen, um solche bedauerlichen Zwischenfälle zu vermeiden".

Forderung: Rücktritt der Regierung

In der Hauptstadt Manama forderten Demonstranten erneut Reformen und einen Rücktritt der Regierung. Hunderte von ihnen harrten die Nacht auf Mittwoch in Zelten auf dem Platz der Perle aus, den die Demonstranten in Anlehnung an die ägyptischen Ereignisse in Tahrir-Platz umgetauft haben. Die Polizei hielt sich mit einem Großaufgebot im Hintergrund und griff zunächst nicht ein. Nach Angaben des Innenministeriums waren die Straßen um den Platz frei befahrbar.

Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Scheich Khalifa bin Salman al-Khalifa, der das Land seit seiner Unabhängigkeit im Jahre 1971 regiert und ein Onkel von König Hamad Bin Issa al-Khalifa ist.

Online zu Protesten aufgerufen

Bahrain ist ein Saudi-Arabien vorgelagerter Inselstaat, der von einer sunnitischen Oberschicht regiert wird. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber schiitisch. Die Schiiten beklagen, dass die regierende sunnitische Minderheit sie vom Wohnungsmarkt, dem Gesundheitswesen und staatlichen Arbeitsplätzen ausschließt. Nach ägyptischem und tunesischem Vorbild haben Oppositionsgruppen über die Online-Netze Twitter und Facebook zu den Protesten aufgerufen. Politische Beobachter befürchten ein Übergreifen der Proteste auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien, sollten sich die Demonstrationen in Bahrain ausweiten.

Die USA haben sich beunruhigt über die Gewalt bei den Protesten in Bahrain geäußert. Außenamtssprecher P.J. Crowley rief in Washington "alle Seiten auf, sich zurückzuhalten und Gewalt zu unterlassen". Die Regierung des Golfstaats solle, wie von ihr versprochen, die Todesfälle bei den Demonstrationen untersuchen und "gegen jeglichen ungerechtfertigten Einsatz von Gewalt seitens der Sicherheitskräfte Bahrains" vorgehen. (APA)

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