Porr kooperiert mit insolventem slowenischen Bauriesen SCT

16. Februar 2011, 11:19
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Ljubljana - Der Wiener Baukonzern Porr hat ein Joint Venture mit dem insolventen slowenischen Bauriesen SCT gegründet, damit dieser seine Geschäftstätigkeit fortführen kann. Slowenischen Medienberichten zufolge bemüht sich das Tochterunternehmen "SCT-Porr" um einen Staatsauftrag für die Erneuerung der Schieneninfrastruktur in Slowenien.

Der mit Ende 2010 in die Insolvenz gerutschte Platzhirsch im slowenischen Bausektor darf sich nämlich nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen. Daher sei "im gegenseitigen Interesse" eine gemeinsame Gesellschaft mit der österreichischen Porr gegründet worden, berichtete SCT-Chef Ivan Zidar kürzlich dem Gläubigerausschuss seines Unternehmens. Man bemühe sich zudem, auch im Ausland an Geschäfte zu kommen. Nach Angaben der Tageszeitung "Dnevnik" hält Porr 49 Prozent an dem Joint Venture, der tatsächliche slowenische Partner sei unbekannt.

"Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass Zidar SCT schrittweise 'ausschalten' will. Er will die Überbleibsel des Unternehmens den Gläubigern überlassen und künftige Aufträge über neugegründete Unternehmen abwickeln, die er selbst kontrolliert", kommentierte die Zeitung. Der Baukonzern wird von seinen drei Managern kontrolliert, nur Zidar hält 76 Prozent der Anteile.

Im Sanierungskonzept hat Zidar den Gläubigern noch zugesichert, innerhalb von der kommenden zwei Jahre einen Umsatz von 450 Millionen Euro erwirtschaften zu wollen, unter anderem durch Bahnprojekte. Noch 2009 hatte SCT positiv bilanziert, doch wurde dem Unternehmen die hohe Schuldenlast im Zuge der Baukrise zum Verhängnis. Dem Unternehmen mit 2.000 Beschäftigten droht zudem eine Strafe in Millionenhöhe wegen illegaler Absprachen beim slowenischen Autobahnbau.

Das Insolvenzverfahren im Fall des Baukonzerns Vegrad dürfte sich indes bis zum Jahr 2014 hinziehen, wie Konkursverwalterin Alenka Gril jüngst berichtete. 2379 Forderungen seien angemeldet worden. Das Bauunternehmen mit Sitz im nordslowenischen Velenje hatte sich im August für zahlungsfähig erklären lassen, nachdem Geschäfte mit auf Pump errichteten Immobilienprojekten im Zuge der Wirtschaftskrise nicht aufgegangen waren. Dieses Fiasko trifft vor allem die slowenische Leasingtochter der Hypo Alpe Adria Bank schwer. Sie ist mit zumindest 80 Millionen Euro bei Vegrad-Projekten exponiert. (APA)

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