Jens Weidmann wird neuer Bundesbank-Chef

16. Februar 2011, 13:51
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Als Vize-Präsidentin soll die Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger zur Bundesbank gehen

Berlin - Der Wirtschaftsberater der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, wird neuer Bundesbank-Präsident. Das bestätigte Merkel am Mittwoch in Berlin. Weidmann trete zum 1. Mai sein Amt als Nachfolger von Axel Weber an. Neue Vize-Präsidentin der Währungshüter werde die bisherige Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger.

Merkel sprach von einem "guten Personalpaket". Weidmann sei "brillanter Intellektueller" und habe einen "unabhängigen Kopf". Sie sei überzeugt, dass der 42-Jährige ein ausgezeichneter Bundesbank-Präsident sein werde, der im Kreis der Europäischen Zentralbank (EZB) seine Stimme für die deutsche Stabilitätskultur erheben werde. "Der Abschied von ihm fällt mir schwer sowohl in fachlicher Hinsicht als auch in menschlicher Hinsicht", sagte Merkel. Bis Juni werde vorübergehend der Europa-Experte im Kanzleramt, Uwe Corsepius, sie in Wirtschafts- und Finanzfragen beraten.

Jüngster Notenbank-Chef

Der 42-jährige Weidmann wird der jüngste Notenbank-Chef in der Geschichte der Bundesbank. Der Spitzenposten wird vorzeitig frei, weil Noch-Präsident Axel Weber Ende April zurücktritt. Weber gilt als wissenschaftlicher Ziehvater von Weidmann, der bei ihm studierte. Als Vize-Präsidentin geht die Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger zur Bundesbank, die derzeit bei der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arbeitet.

FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, mit Weidmann und Lautenschläger seien hochanerkannte Experten ausgewählt worden. Die Entscheidung sei streng an der Qualität ausgerichtet gewesen und stärke die Bundesbank.

Zögern

Westerwelle hatte zunächst mit der Zustimmung für Weidmann gezögert. Bei den Liberalen gab es Sorgen, dass durch einen direkten  Wechsel Weidmanns von der Politik zur Bundesbank ein unguter  Eindruck entstehen könnte. Auch die Opposition hatte gewarnt, die Unabhängigkeit der Bundesbank stehe auf dem Spiel.

Auf Vorschlag Westerwelles sollte eine Frau auf den Vize-Posten rücken, für den ursprünglich Weidmann im Sommer vorgesehen war. Auch Merkel soll eine Frau gewünscht haben. Westerwelle schlug in der FDP-Fraktion Lautenschläger vor. Es gab keine Einwände gegen die 46-jährige, erfahrene Bankenaufseherin.

Merkel hatte Weidmann Anfang 2006 als ihren Berater ins Kanzleramt geholt. Er bereitet auch die Weltwirtschaftsgipfel im Kreis der G-8- und G-20-Staaten vor. In der Finanzkrise gehörte Weidmann zum kleinen Kreis der Spitzenbeamten, die die gigantischen Rettungspakete für Banken und Wirtschaft steuerten.

Weidmann, der auch beim Internationalen Währungsfonds und bei den Wirtschaftsweisen gearbeitet hatte, gilt als strikter Verfechter einer stabilen Währung. Die tatsächliche Macht der Bundesbank ist seit Gründung der Europäischen Zentralbank aber stark geschrumpft. Der Bundesbank-Präsident verdient rund 400.000 Euro.

Weber, der mit seinem plötzlichen Rückzug mitten in der Euro-Schuldenkrise Merkel in Schwierigkeiten brachte, hatte sich für Weidmann als seinen Nachfolger stark gemacht. "Jetzt ist es Zeit, jüngere Kräfte ranzulassen." Weidmann sei "ein hervorragender Ökonom" und "ein absoluter Profi", sagte Weber im "Spiegel". Ihm zu viel Nähe zur Politik vorzuwerfen, sei nicht gerechtfertigt.

Nach Webers Abgang beharrt die Regierung in Berlin nicht mehr auf einem Deutschen an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Merkels Kandidat Weber galt lange als Favorit für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der im Herbst aufhört. Weber hatte sich mit seiner Kritik am EZB-Krisenmanagement in der Euro-Schuldenkrise international isoliert und schließlich das Handtuch geworfen. (APA)

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