Umstritten: Ultraschall-Untersuchung bei Brustkrebs-Screenings

16. Februar 2011, 10:26
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Ultraschall gehört bei der Vorsorgeuntersuchung zur Routine - Frauengesundheitszentrum hinterfragt Nutzen und fordert unabhängige Beratungen

Graz - Gegen die Haltung der österreichischen Radiologen, die für die Beibehaltung des Ultraschalls als Bestandteil der Brustkrebsvorsorgeuntersuchung im geplanten bundesweiten Brustkrebs-Screening-Programm eintreten, spricht sich das Frauengesundheitszentrum Graz aus: Ultraschall zusätzlich zur Mammografie beim Screening bedeute "nicht mehr Sicherheit, sondern mehr falsch positive Befunde", so Geschäftsführerin Sylvia Groth. Sie pocht auf unabhängige Beratung der Frauen.

"Frauen wird nichts weggenommen, wenn Ultraschall-Untersuchungen nicht mehr automatisch mitgemacht werden", betonte die Grazer Medizinsoziologin. "Die Berechnungen des Vorsitzenden der Bundesfachgruppe Radiologie in der Österreichischen Ärztekammer, Franz Frühwald, entbehren der Belege", kritisierte Groth. Frühwald sprach jüngst von 600 Brustkrebs-Todesfällen mehr als bisher bei Übernahme des "deutschen Systems". Wenn hingegen das bisherige österreichische System beibehalten und die Beteiligung von jetzt 50 auf 70 Prozent erhöht werde, wäre laut Frühwald mit rund 400 Todesfällen weniger zu rechnen.

Umsetzung der EU-Richtlinien

Beim Brustkrebs-Screening in Österreich gehe es nicht um die Umstellung auf das deutsche System, sondern "die Umsetzung der EU-Richtlinien", stellte die Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums fest. Dieses hat sich der unabhängigen Beratung in Gesundheitsfragen verschrieben. "Die genannten Zahlen erzeugen vielleicht einen medienwirksamen Schrecken - einer fundierten Diskussion über Qualität in der Brustkrebsfrüherkennung dienen sie aber nicht", so Groth. "Die zusätzliche Ultraschall-Untersuchung gehört in Österreich zwar zur Routine, der evidenzbasierte Nachweis eines Nutzens für die Frauen ohne Symptome ist allerdings nicht erbracht", sagte Groth. Daher gehöre der Ultraschall "zu Recht nicht zu den Anforderungen der EU-Richtlinien für das Screening".

International gelte die Röntgenuntersuchung der Brust unter Experten als das Screeningverfahren der Wahl. Die Treffsicherheit hänge jedoch von der Bildqualität und der Qualifikation des Beurteilers ab, räumte Groth ein. Dazu gehöre, dass u.a. nur Radiologen befunden dürfen, die mindestens 5.000 Mammografien pro Jahr beurteilen und dass durch einen zweiten Radiologen doppelt begutachtet werde.

Treffsicherheit nimmt mit Alter zu

Abhängig sei die Treffsicherheit der Mammografie auch von der Beschaffenheit der Brust: "Die Struktur des Gewebes verändert sich, die Treffsicherheit nimmt mit dem Alter der Frau zu. Zielgruppe seien daher Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, "da nur für diese Risikogruppe ein Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen ist". Vor der Teilnahme an einem Screening solle jede Frau ihr Recht auf Information nutzen und sich umfassend über die Vor- und Nachteile, Möglichkeiten und Grenzen von unterschiedlichen Verfahren beraten lassen. (APA)

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