Plagiatsvorwurf gegen deutschen Verteidigungsminister

16. Februar 2011, 09:34
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Jurist: Formulierungen in Guttenbergs Doktorarbeit ohne Kennzeichnung wörtlich von Fremdquellen übernommen

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) muss sich gegen Plagiats-Vorwürfe wehren. Guttenberg soll einige Passagen seiner Dissertation von anderen Autoren abgeschrieben haben, ohne diese entsprechend als Zitate auszuweisen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Die Doktorarbeit sei an mehreren Stellen "ein dreistes Plagiat" und "eine Täuschung", sagte der Bremer Rechtsprofessor Andreas Fischer-Lescano, der die Parallelen bei einer Routineprüfung entdeckt hat.

Fischer-Lescano lehrt an der Universität Bremen Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht. Der zuständige Ombudsmann von Guttenbergs früherer Universität Bayreuth, Diethelm Klippel, prüft die Vorwürfe. Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit 2006 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Bayreuth abgegeben. 2007 wurde er dann mit der Bestnote summa cum laude zum Dr. jur. promoviert.

Mehrere Seiten wortgleich

Die Stellen, an denen sich ohne Nachweis wortgleiche Parallelen mit fremden Texten finden, umfassen nach den der "Süddeutschen Zeitung" vorliegenden Originalquellen insgesamt mehrere Seiten. "Die Textduplikate ziehen sich durch die gesamte Arbeit und durch alle inhaltlichen Teile", sagte Fischer-Lescano.

Guttenberg hatte seine Doktorarbeit 2006 an der juristischen Fakultät in Bayreuth abgegeben, 2007 wurde der CSU-Politiker dann mit der Bestnote summa cum laude zum Dr. jur. promoviert. Der Minister erklärte in einer Stellungnahme, er habe "die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt." Die Universität will den Plagiatsvorwurf prüfen, zuständig ist der "Ombudsmann für Selbstkontrolle in der Wissenschaft", Professor Diethelm Klippel. Guttenberg selbst hält den Ombudsmann für die "richtige Stelle", um den Vorwürfen gegen ihn nachzugehen, er sehe dem Ergebnis der Prüfung "mit großer Gelassenheit" entgegen.

Kritik der Grünen

Der Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte: "Egal, ob vorsätzliches Plagiat oder einfache Schlamperei: Guttenberg hat zum ersten Mal das Problem, dass er die Verantwortung auf keinen anderen abschieben kann." Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis nahm Guttenberg in Schutz. "Er wird von allen Seiten angegriffen, weil er ein so hohes Ansehen in der Bevölkerung hat." Bayerns SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher legte Guttenberg nahe, bis zur Klärung der Vorwürfe auf seinen Doktortitel zu verzichten.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht derzeit keinen Grund, aus den Plagiat-Vorwürfen gegen Guttenberg Konsequenzen zu ziehen. Auf die Frage, ob Merkel die Vorwürfe im Zusammenhang mit dessen Doktorarbeit ernst nehme, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert aber: "Die Bundeskanzlerin hat davon wie der Rest der Republik gerade erst erfahren und interessiert sich dafür." Sie sei der Auffassung, dass die Aufklärung beim Ombudsmann der Universität Bayreuth in den richtigen Händen liege und es sinnvoll sei, das Verfahren abzuwarten. Zugleich betonte Seibert, dass die Kanzlerin bisher keine Zweifel an ihrem Minister habe. "Die Bundeskanzlerin sieht, dass der Minister in seinem Amt vor vielen Herausforderungen steht und dass er diesen Herausforderungen sehr gut gewachsen ist."

Auch in Österreich gab es vor schon Plagiatsvorwürfe gegen einen ranghohen Politiker: Der Medienwissenschafter und "Plagiatjäger" Stefan Weber hatte Wissenschaftsminister Johannes Hahn vorgeworfen, in seiner an der Uni Wien eingereichten Dissertation zum Thema "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" "seitenweise" aus Leopold Kohrs einige Jahre zuvor erschienenem Buch "Die überentwickelten Nationen" "abgeschrieben" und "absolut schlampig gearbeitet" zu haben. (APA/red)

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