Daimler holt erstmals Frau in den Vorstand

16. Februar 2011, 11:03
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Ehemalige deutsche Bundesver­fassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt übernimmt Ressort Recht und Integrität

Stuttgart - Die ehemalige deutsche Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt ist nach 125 Jahren Unternehmensgeschichte die erste Frau im Vorstand des Stuttgarter Autobauers Daimler. Daimler teilte am Dienstagabend mit, die Anfang des Monats beim höchsten deutschen Gericht ausgeschiedene Juristin werde ab Donnerstag das neue Vorstandsressort Recht und Integrität übernehmen.

"Daimler hat den Anspruch, bei Compliance und Integrität die höchsten Standards zu setzen", sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff zur Berufung der 60-Jährigen. Ihr Mandat läuft bis Ende Februar 2014. Hohmann-Dennhardt war seit 1999 am Verfassungsgericht.

Zudem verlängerte das Aufsichtsgremium den Vertrag von Finanzvorstand Bodo Uebber um drei Jahre bis Ende 2014. Der Wirtschaftsingenieur war im Dezember 2003 in den Vorstand berufen worden und betreut seit Ende 2004 die Themen Finanzen und Controlling, Financial Services und Übernahmen. Sein Vertrag wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Der 1959 geborene Uebber hatte 1985 als Produktions-Controller bei der Daimler-Tochter MBB begonnen, er ist Chairman des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS.

Unregelmäßigkeiten

Der Autokonzern ist in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Korruption und Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geraten und steht deswegen unter Beobachtung der Justizbehörden in den USA. Im September entschied Daimler, den bisher mit sechs Männern besetzten Vorstand um das Ressort Recht und Integrität zu erweitern. Hohmann-Dennhardt soll die Grundsätze guter Unternehmensführung und Integrität über das gesamte Unternehmen hinweg organisieren und zu einem Teil der Firmenkultur machen. Konzernchef Dieter Zetsche hatte wiederholt gesagt, dass er sich mehr Frauen in Führungspositionen des Unternehmens wünsche.

Nach jahrelangen Ermittlungen in den USA hatte Daimler im vergangenen Jahr im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs einer Strafzahlung und Gewinnabschöpfungen von zusammen 185 Millionen Dollar (136,9 Mio. Euro) wegen der Bestechung von Amtsträgern im Ausland zugestimmt. Mit den Schmiergeldern hatte sich Daimler jahrelang Aufträge gesichert. Der frühere Chef der US-Bundespolizei FBI, Louis Freeh, überwacht seit knapp einem Jahr Daimlers Geschäftspraktiken im In- und Ausland, zudem wurde die interne Aufsicht verstärkt und neu organisiert.

Die Korruptions-Ermittlungen gegen Daimler waren in den USA 2004 ins Rollen gekommen, als ein ausgeschiedener Mitarbeiter über geheime Konten und Bestechungen berichtete. 2005 räumte Daimler "unsachgemäße Zahlungen" und Buchungsfehler bei Steuerabgaben ein, der Gewinn wurde damals nachträglich nach unten korrigiert.

Gewinn

 

Im Jahr 2010 hat Daimler hat einen Milliardengewinn eingefahren. Nach tiefroten Zahlen im Jahr 2009 verdiente der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr unterm Strich 4,7 Mrd. Euro. Im Jahr zuvor hatte das Ergebnis nach Steuern wegen der weltweiten Autokrise noch bei Minus 2,6 Mrd. Euro gelegen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg nach einem Verlust von 1,5 Mrd. auf 7,3 Mrd. Euro. Der Umsatz kletterte um 24 Prozent auf 97,8 Mrd. Euro. Der Absatz im Konzern wurde um 22 Prozent auf 1,9 Millionen Fahrzeuge hochgefahren, teilte Daimler am Mittwoch mit.

Nach der Rückkehr in die schwarzen Zahlen will der Autobauer eine Dividende von 1,85 Euro je Aktie zahlen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte am Mittwoch in Stuttgart, der Konzern habe "ein glänzendes Comeback hingelegt". Für das laufende Jahr steckt Zetsche die Ziele noch ein deutliches Stück höher. Für 2011 werde ein operatives Ergebnis deutlich über dem Vorjahreswert erwartet, auch bei Umsatz und Absatz rechnet das Unternehmen mit einem leichten Plus. "Unser Ziel ist nun, das erreichte Erfolgsniveau nachhaltig zu sichern und wo immer möglich weiter zu steigern", hieß es. (APA/Reuters)

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Christine Hohmann-Dennhardt
    foto: epa

    Christine Hohmann-Dennhardt

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