Aus Chefsessel wird Schleudersitz

12. Mai 2003, 16:03
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Schwere Zeiten für Top-Manager: Laut Studie werden sie immer schneller ausgetauscht - In der Telekombranche wird besonders gern gefeuert

Wien - "Das Tempo, mit dem leistungsschwache Topmanager ausgetauscht werden, nimmt rasant zu", so das internationale Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton in einer heute veröffentlichten Studie. Demnach werden Europas Chefsessel zu "Schleudersitzen": Im Vergleich 2001 gab es im Vorjahr um 70 Prozent mehr Führungskräfte-Wechsel. Außerdem sank laut Studie die durchschnittliche Verweildauer auf den Chefsesseln börsennotierter Konzerne von 9,5 Jahren (1995) auf 8,6 Jahre (2002). Besonders betroffen von der sinkenden Beschäftigungsdauer sind die "Chief Executive Officers" (CEO) der Telekom- und Energiebranche.

"Mangelnde Arbeitsleistung"

In 39 Prozent der Fälle wurde "mangelnde Arbeitsleistung" für die Kündigung verantwortlich gemacht, 2001 sei dies nur bei jedem vierten Abgang der Fall gewesen, so Booz Allen Hamilton. Gingen im Jahr 2001 noch mehr als ein Viertel der CEO-Rücktritte auf das Konto von Firmenzusammenschlüssen, waren es im Jahr 2002 lediglich 15 Prozent.

Booz Allen Hamilton-Analyst Klaus-Peter Gushurst: "Unsere Analyse zeigt deutlich Ungeduld auf Seiten der Shareholder - sie achten noch genauer auf die Lücke zwischen einer vom CEO angekündigten Rendite und dem, was das Unternehmen tatsächlich abwirft." Entlassene Vorstände erzielten demnach "in der Regel eine sechs Prozent geringer ausfallende Gewinnausschüttung für Anteilseigner als Spitzenmanager, die den Posten freiwillig verließen".

Erstaunliche Unterschiede

Außerdem wollen die Studienautoren "erstaunliche" regionale Unterschiede fest gestellt haben: So habe die Fluktuation von Europas Spitzenmanagern dramatisch zugenommen - im Vergleich zu 1995 um 192 Prozent. In den USA scheint dagegen die Negativserie gestoppt: Von 1995 bis 2002 zeigen sich laut Studie nur Zuwächse um zwei Prozent. Knapp die Hälfte aller CEO-Wechsel (45 Prozent) in Asien beruht auf Kündigung - 2001 waren dies nur sechs Prozent. (APA)

  • Immer mehr Manager sitzen auf einem heißen Stuhl.
    montage: derstandard.at

    Immer mehr Manager sitzen auf einem heißen Stuhl.

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