One lacht sich südkoreanische LG Electronics als 3-G-Partner an

13. Mai 2003, 12:12
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Mobilfunker will Ende des dritten Quartals 2003 mit UMTS starten

Die dritte Mobilfunkgeneration (3G) wird in Südkorea zwar später starten als dies in Österreich der Fall war, bei Erfahrungen mit multimedialen Angeboten, modernen Endgeräten und schnellem Internetzugang per Handy hat das als Testmarkt attraktive Land aber die Nase vorn. Aus diesem Grund hat sich der drittgrößte österreichische Mobilfunkanbieter One für seinen UMTS-Start die südkoreanische LG Electronics (LGE) als Partner angelacht.

Reif

"Wir wissen wie wichtig UMTS ist. Dennoch sollte diese Technologie erst angeboten werden, wenn eine gewisse Reife – also gute Qualität und eine ausreichende Stückzahl – erreicht worden ist. Mit LG verbindet uns eine Strategie: Nichts verschlafen, aber auch nichts übereilen", erklärte die Unternehmenssprecherin von One, Cindy Naegeli-du Pont, vor Journalisten. Der Launch sei für Ende des dritten Quartals 2003 geplant, die Verhandlungen befänden sich in der Endphase. Von Seiten LGEs ist unterdessen zu hören, dass sich auch die Nummer eins auf dem österreichischen Markt – Mobilkom Austria – für die LG-Handys interessiere.

"Spaß haben am Fahren und sich nicht viel um die Technik kümmern"

"Mit 3G soll es so wie beim Auto sein: Spaß haben am Fahren und sich nicht viel um die Technik kümmern", erklärte LGE-Manager Kenny H. Ryu. Gründe für die Schwierigkeiten, Kunden zum Umstieg auf UMTS zu bewegen, sieht LGE vor allem im hohen Preis der Endgeräte, der fehlenden Interoperabilität mit anderen Nutzern, der Größe der Handys und der noch mangelhaften Netzabdeckung.

Versprechen

Nächstes Jahr seien aber zahlreiche Verbesserungen zu erwarten: "Die Displays werden größer, die Auflösung besser und die Angebotspalette wird um weitere Modelle und Einsteigerhandys erweitert. Zudem werden künftig Kameras mit bis zu zwei Megapixel integriert sein", ist Alex Chi, Marketing Manager bei LGE überzeugt. Einen Massenmarkt erwarteter aber auch er für frühestens Ende 2004 oder Anfang 2005. Die in Südkorea bisher verwendeten Technologien stellten eigentlich einen Zwischenschritt auf dem Weg zu 3G dar, seien aber durch die angebotenen Dienste sehr erfolgreich.

Der südkoreanische Markt hat sich auch abseits der Telekommunikation einen Namen gemacht: Internationale Konzerne testen hier ihre Werbekampagnen oder neue Produkte. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die so genannten "early adopters", also eine Personengruppe, die stark an Neuem interessiert und auch bereit ist, dementsprechend viel dafür zu bezahlen.

Handys als Mode

"Handys gehören in Südkorea eigentlich zur Mode. Da wird schnell Geld für das aktuellste Modell ausgegeben", ist Alex Chi, Marketing Manager bei LG Electronics, überzeugt. Während in Österreich die Einführung von GPRS eher schleppend verlaufen ist, hat Südkorea bei der Vermarktung schneller Datendienste stark zugelegt. Alle südkoreanischen Betreiber hätten 2002 ein zweistelliges Wachstum in diesem Bereich verzeichnet, so Chi. Mit W-CDMA – dem auf GSM basierenden Pendant zu UMTS – werde man daher auch erst im vierten Quartal 2003 starten, da sich das jetzige Angebot ohnehin nicht so stark von den Möglichkeiten der dritten Generation unterscheide.

Mit dem bereits im Jahr 2000 gelaunchten Mobilfunkstandard CDMA2000 1X ("Code Division Multiple Access"), der außerhalb von Korea, Japan sowie Nord- und Südamerika nur selten zu finden ist und der vor allem zum in Europa dominierenden GSM-Standard in Konkurrenz steht, sei man gut unterwegs: "Bereits 60 Prozent der User besitzen Handys dieser Generation 2,5, rund 75 Prozent haben ein Farbdisplay und 15 Prozent verfügen über eine integrierte Kamera", sagte Chi weiter. Als "Killer Applikation" sieht er auf dem südkoreanischen Markt vor allem MMS (Multimedia Messaging Services), Video on demand und M-Commerce.

"GoldStar"

So gefragt anscheinend die Endgeräte von LG Electronics sind, so schwer tut sich das Schwesterunternehmen LG Telecom, das in Südkorea auch als Provider auftritt. Mit einem Marktanteil von 14,9 Prozent hinkt man hinter den Mitbewerbern KT Freetel (KTF) (32,4 Prozent) und SK Telecom (52,7 Prozent) hinterher.

LG Electronics Inc. mit Sitz in Seoul wurde 1958 unter dem Namen "GoldStar" gegründet und beschäftigt heute mehr als 55.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2002 konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 17 Prozent auf 14,9 Mrd. US-Dollar (12,99 Mrd. Euro) steigern und ist laut eigenen Angaben mit 16 Mio. verkauften Handys die Nummer sechs bei Mobiltelefonen weltweit. Die Produktpalette reicht von Bildröhren, PC-Monitoren und Fernsehern über Kühlschränke und Klimaanlagen bis zu CD-ROM-Laufwerken und Personalcomputern. Konzernmutter ist die drittgrößte koreanische Unternehmensgruppe LG, die neben den Bereichen Elektronik und Telekommunikation, auch in Petrochemie, Handel und Finanzen tätig ist.(APA)

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