Ein Tor gegen die Vorurteile

21. April 2004, 14:17
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Anson Carter hat es allen gezeigt: Sein Siegtreffer zum 3:2 im Finale gegen Schweden war auch eine Antwort auf den ihm widerfahrenen Rassismus

Helsinki - "Hey man, never say no". Mit fünf Worten und einem breiten Grinsen unter den Rasta-Locken erzählte Anson Carter die Geschichte des Endspiels bei der 67. Eishockey- Weltmeisterschaft in Finnland. Die Kanadier lagen gegen Schweden mit 0:2 zurück, erzwangen den Ausgleich, und in der Verlängerung schoss der Stürmer der New York Rangers die Kanadier zum 22. WM-Titel. Zum ersten Mal in der 93-jährigen WM-Historie hatte ein farbiger Spieler eine Weltmeisterschaft entschieden.

Liebe zu Helsinki

Der Stolz auf sein Land und der starke Charakter der Mannschaft seien der Schlüssel zum Erfolg gewesen, sagte der vor 28 Jahren in Toronto geborene Eishockey-Profi - und schloss den Bericht über seine "unbeschreiblichen Gefühle" mit einem Kompliment an die finnische Hauptstadt ab. "Ich liebe Helsinki", sagte Carter. Denn vor sechs Jahren hatte er an gleicher Stelle und gegen den gleichen Gegner bereits schon einmal eine Goldmedaille bei einer A-WM erobert.

Top-Verdiener bei den Rangers

Carter gehört bei den Rangers mit einem Jahressalär von 2,4 Millionen US-Dollar zu den Top-Verdienern. Eishockey spielt er aus Leidenschaft und kämpft dabei gegen das Vorurteil, farbige Sportler hätten im Eishockey nichts zu suchen. "Dabei sind wir nicht schlechter als Weiße. Wir sind genauso hart und können uns durchsetzen", vertraute er einmal der US-Zeitschrift "Sports Illustrated" an.

Den Rassismus erfahren

Auf dem Eis kämpft Carter gegen den Rassismus, den er am eigenen Leibe erfahren hat. "Geh' zurück in den Süden" oder "Pflück' Baumwolle" riefen sie ihm zu, als er seine ersten Gehversuche in der nordamerikanischen Profiliga NHL machte. Mit dem simplen Bauern-Trick, mit dem er im Finale den schwedischen Schlussmann Mikael Tellqvist nach 13:49 Minuten der Nachspielzeit zum entscheidenden 3:2-Siegtreffer überlistete, schrieb der Kanadier mit Vorfahren aus Barbados Geschichte.

Ein verlässlícher Scorer

Der 91 kg schwere Modell-Athlet hat auch in der NHL seine Spuren hinterlassen. In sieben Spielzeiten erzielte er in 452 Spielen für die Washington Capitals, Boston Bruins, Edmonton Oilers und zuletzt New York 310 Scorer-Punkte. Bei den Rangers kam er in der regulären Saison 2002/2003 in 79 Spielen auf 60 Scorer-Punkte.

Bereits Junioren-Weltmeister

Carter startete seine Karriere als Amateur bei "Spartans" an der Michigan State Universität. 1995 wurde der Junggeselle für den "Hobey Baker Award", die Auszeichnung zum besten College-Spieler, vorgeschlagen. Sein erster internationaler Erfolg war der Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft 1994 mit dem kanadischen Nachwuchs.

Bittere Niederlage für Schweden

Glücklich war nach dem 22. WM-Titel - dem ersten seit 1997 - natürlich auch Andy Murray: "Unsere Kraft und unser Siegeswillen haben den Ausschlag gegeben", meinte Kanadas Coach, während sein Gegenüber Hardy Nilsson die "zu passive" Spielweise seiner Mannschaft kritisierte. "So zu verlieren, ist bitter", sagte der Schwede.

Entscheidung durch Video-Tor

Die Kanadier hatten rund zehn bange Minuten überstehen müssen, ehe der Triumph perfekt war. Erst nach wiederholtem Studium der Videobilder gab der tschechische Referee Vladimir Sindler Carters Treffer und sorgte damit für eine weitere WM-Premiere - noch nie wurde ein Endspiel durch ein "Video-Tor" entschieden.(APA)

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    Anson Carter proudly presents seine Goldmedaille.

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