Stolz wie ein Tunesier

17. Februar 2011, 21:09
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Tunesiens Jugend ist stolz auf die Revolution und stolz auf sich selbst. Dieses Gefühl mischt sich mit einer tiefen Verärgerung über die Europäische Union. Zu lange haben die Regierungen im reichen Norden zu gewartet, bis sie die Revolution unterstützten und Diktator Zine El Abidine Ben Ali fallen ließen. Als „Komplize und Pate und Finanzier der Unterdrückung, Folter, Massaker und illegalen Bereicherung" bezeichnen die Menschen auf dem Bild die EU. Sie stellten sich vor einem der internationalen Hotels in der Innenstadt von Tunis auf, nachdem aus Brüssel bekannt wurde, dass Tunesien 250 Millionen Euro Hilfe bekommen soll. Als „Synonym für die Unterwerfung Tunesiens" sehen sie das. Die Nachricht, dass Italien vorgeschlagen hat, Soldaten oder Polizeibeamte nach Südtunesien zu entsenden, um die Überfahrt von Flüchtlingen zu verhinden, tat ein Übriges.

Den Ärger über Europa und ganz speziell über die Politik Frankreichs bekam auch der tunesische Außenminister Ahmed Ounaies zu spüren. Er reiste vergangene Woche nach Frankreich und traf sich dort mit seiner Kollegin Alliot-Marie. Diese bezeichnete er als „große Freundin Tunesiens". Und das obwohl sie wegen ihrer all zu offensichtlichen Nähe zu Ben Ali im Kreuzfeuer der französischen und tunesischen Kritik steht. Alliot-Marie war mindestens zweimal im Privatjet eines Geschäftsmannes aus dem engsten Umfeld des Ben Ali Clans in den Urlaub auf die andere Seite des Mittelmeeres gereist. „All inclusive" der ganz speziellen Art. Ounaies wurde von Demonstrationen seiner Ministeriumsangestellten empfangen. Sie beschimpften ihn als „Gegner der Revolution" und riefen „Schmeisst ihn raus." Die Facebookseiten und Twitter liefen heiß. Am Sonntag nahm er seinen Hut.

Auch eine Solidaritätskarawane aus der zweitgrößten Stadt des Landes, der Industriemetropole Sfax, kann ein Lied vom Stolz der revolutionären Jugend singen. Sie fuhr mit Hilfsgütern in die Provinz Sidi Bouzid, wo die Proteste, die schließlich mit dem Sturz von Ben Ali endeten, am 17. Dezember nach der Selbstverbrennung des jungen Arbeitslosen Mohammed Bouazizi begannen. Die Provinz Sidi Bouzid ist eine der ärmsten Regionen des Landes.

Dennoch wiesen die Bewohner die Karawane ab. Die Initiative sei eine Verletzung ihrer Würde, wurde den Teilnehmern des Hilfskonvois mitgeteilt. „Wir haben die Revolution nicht gemacht, um Hilfe zu bekommen, sondern gegen die Unterdrückung und Ungerechtigkeit", erklärten die Einwohner.

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    foto: reiner wandler
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