Katastrophen kompensieren

15. Februar 2011, 19:47
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Hermann Peyerl untersucht Versicherungsentschädigungen im Steuerrecht

Der Reiz des Steuerrechts liegt für Hermann Peyerl in seiner praktischen Anwendbarkeit auf das Wirtschaftsleben: "Die oft recht abstrakte Materie durchzieht weite Teile unseres Lebens. Ich erkläre meinen Studierenden immer, dass selbst der Kaffeekauf am Automaten ein steuerrechtlich relevanter Vorgang ist."

Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität für Bodenkultur wuchs in einem Weinbaufamilienbetrieb im Weinviertel auf. Das "Wirtschaften" wurde dort selbstverständlich beim Mittagstisch besprochen. Zunächst studierte der 30-jährige Betriebswirtschaft an der Boku. Ausgestattet mit einer generalistischen Basis vertiefte er sich anschließend an der WU Wien und der Uni Linz in Wirtschaft und Recht.

Seine überdurchschnittlichen Studienerfolge macht er dabei an Fleiß, Zielstrebigkeit und einem Quäntchen Glück fest. Die Winzerambitionen steckte der Betriebswirt zurück, als er am Ende des ersten Diplomstudiums die Leidenschaft für Wissenschaft und universitäre Lehre entdeckte. Sie führte ihn bis an die Thammasat-Universität in Bangkok.

Für seine zweite Dissertation, approbiert an der WU-Wien, bekam der Wirtschaftswissenschafter im vergangenen Jahr unter anderem den niederösterreichischen Anerkennungspreis für Wissenschaft. Thematisch am Kreuzungspunkt seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im niederösterreichischen Feuerwehrverband und der Zunahme von Extremwetterereignissen gelegen, ging es um die Berücksichtigung von Katastrophen im Steuerrecht.

Seine Untersuchung hat gezeigt, dass das Problem aus steuerlicher Sicht nicht im Entstehen von Verlusten, sondern in katastrophenbedingten Gewinnen liegt. Wenn etwa ein Betrieb durch Hochwasser zerstört wird und der Inhaber dafür eine Versicherungsentschädigung erhält, unterliegt diese unter bestimmten Umständen der Besteuerung, was den Betrag massiv schmälern kann. Dem Betriebsinhaber steht somit weniger Geld zum Wiederaufbau des Betriebs zur Verfügung. Hermann Peyerls Fazit: "Dieses Problem muss ein entwickeltes Steuersystem durch geeignete Regelungen berücksichtigen." Er selbst publiziert auch in Publikumsmedien, um die Ergebnisse seiner Arbeit weit zu streuen.

Das Steuerrecht regelt, wie der Staat zu seinen Einnahmen kommt. Das in gerechter Weise zu erfüllen ist nicht nur am Stammtisch Thema, sondern auch unter Steuerrechtlern. "Ich glaube, der Gleichheitsgrundsatz in der Bundesverfassung ist ein perfekter Maßstab. Wir Experten müssen unsere Sinne immer neu schärfen, um das geltende Recht daran zu messen", sagt Peyerl. Er möchte kein theoretischer "Trockenschwimmer" sein und legt ausdrücklich Wert auf praktische Bezüge. Seine Steuererklärungen macht er natürlich selbst und findet die Materie methodisch interessant. Ab und an fragt sich aber auch er, warum das alles so kompliziert geregelt sein muss.

In der Freizeit geht er gern mit seiner Frau ins Theater oder leistet Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr. Das Ehrenamt ist ihm als Wirtschaftswissenschafter, der berufsbedingt ständig Kosten und Nutzen bewertet, besonders wichtig. Denn Profit vor Uneigennützigkeit zu stellen schwächt langfristig den Zusammenhalt in der Gesellschaft, ist er überzeugt. (Astrid Kuffner /DER STANDARD, Printausgabe, 16.02.2011)

  • Der Steuerrechtler und Doppeldoktor Hermann Peyerl.
    foto: h. lackinger

    Der Steuerrechtler und Doppeldoktor Hermann Peyerl.

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