Bessere Auszüge von der Biobank

15. Februar 2011, 19:28
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Neues Christian-Doppler-Labor lotet Technologien zur Analyse von Bioproben aus

Technologien und Wege zur Stabilisierung von Bioproben werden am neuen Christian-Doppler-Labor an der Medizinischen Universität Graz entwickelt und erprobt. Das Labor wurde gestern, Dienstag, eröffnet. Als wirtschaftlicher Partner für das CD-Labor wurde das deutsche Biotech-Unternehmen Qiagen an Bord geholt.

In Biobanken werden biologische Proben und dazugehörige Daten gesammelt, bearbeitet und gelagert. Das Material, vor allem Blut- und Gewebeproben, dient der Erforschung von Krankheiten und bildet die Basis für zielgerichtet auf die Patienten zugeschnittene Therapie. Die Medizinische Universität Graz verfügt mit ihrer Biobank über eine der umfangreichsten Sammlungen solcher Proben. Sie umfasst rund 4,5 Millionen Proben von erkranktem und gesundem Gewebe, Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Die daraus isolierte DNA, Proteine oder Stoffwechselprodukte werden analysiert und miteinander verglichen, um zu verstehen, wie genetische und umweltbedingte Faktoren Krankheiten verursachen und deren Verlauf beeinflussen. Das bildet die Basis für die Weiterentwicklung von Diagnosemethoden, Therapieansätzen und Präventionsmaßnahmen.

Für das neue Doppler Labor ist die Biobank eine wichtige Arbeitsgrundlage. Hier will man die Entwicklung und Erprobung von Technologien zur Probenstabilisierung und zur Analyse der Bioproben vorantreiben. Die Mitarbeiter des Labors beschäftigen sich unter anderem mit neuen Lösungen für die Probensammlung und arbeiten an der Etablierung eines robusten und einfachen Verfahrens für die Analyse von Hochrisiko-Pathogenen in Geweben.

Insbesondere will man die Möglichkeiten des "next generation sequencing" ausloten - eine Sequenzierungsmethode, mit der man genetische Analysen schneller und kostengünstiger erstellen will. Weiters wollen die Grazer Forscher neue Lösungen für die Konservierung für Metabolomstudien (Studien, in denen die Gesamtheit aller Stoffwechselprodukte einer Zelle oder eines Gewebes erfasst werden) finden.

"Ich sehe das Labor als Schlüsselinitiative für die europäische Positionierung von Graz in Hinblick auf die zukünftige Rolle als Sitz der europäischen Forschungsinfrastruktur für Biobanken und biomolekulare Ressourcen", sagt Laborleiter Kurt Zatloukal. Der Grazer Pathologe ist auch Koordinator des EU-Projekts BBMRI, das die Vernetzung der europäischen Biobanken zum Ziel hat. Das Unternehmen Qiagen, das 50 Prozent der Kosten trägt, wird als Marktführer von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien für die molekulare Diagnostik bezeichnet. Das Gesamtbudget des Labors für die nächsten fünf Jahre beträgt rund 950.000 Euro, 50 Prozent davon tragen Wirtschaftsministerium und Nationalstiftung. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 16.02.2011)

 

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