Österreich, ein Kabarett

15. Februar 2011, 18:34
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Expolitiker beraten Schurken. Und wählen nächstes Mal im Simpl

Alles sehr lustig. Ein ehemals angebeteter, selbstverliebter Exfinanzminister steht unter Verdacht, sich strafbar gemacht zu haben. Die angeschlagene Justiz ermittelt, der Mann rennt um sein Leiberl. Seine Unschuldsbeteuerung konterkariert er per Selbstanzeige bei der Finanz eigenhändig. Und seine Glaubwürdigkeit entwickelt sich dank Details aus Freunderlgruppe und Telefonatsrunde KHG so wie sein Erinnerungsvermögen ("Ich würde mein Geld nicht in Liechtenstein anlegen"): Sie schwindet.

Anlass genug für Ermittlungen, öffentliche Beobachtung derselben - und politische Auseinandersetzung unter Zuhilfenahme jener Instrumente, die Abgeordnete an der Hand haben: parlamentarische Anfragen etwa, Untersuchungsausschüsse, Debatten.

Die Grünen, die in der Causa Grasser viel bewegt haben, machen es jetzt anders: Sie veräppeln "Karl Heinz Kassa" auf ihrer Homepage. Aus der in Rechtsstaaten ernst gemeinten Unschuldsvermutung wird da die "Schönheitsvermutung", aus Oppositionspolitik Kabarett. Die Kritiker sind auf dem Niveau des von ihnen Kritisierten gelandet.

Alles sehr lustig. Der Dekan der juridischen Fakultät der Uni Wien lässt im Audimax (echte) Kabarettisten aus (unglaublichen) Protokollen nichtöffentlicher Ermittlungsverfahren vortragen. Die Grünen machen Kabarett. Expolitiker beraten Schurken. Und wählen nächstes Mal im Simpl. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2011)

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