Flucht in die Größe

15. Februar 2011, 18:28
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Um kompetitiv zu bleiben, versuchen klassische Börsen, mit Größe zu punkten

Der globale Wettbewerb macht vor den Börsen nicht Halt. Die traditionellen Marktplätze werden von außerbörslichen Handelsplattformen bedroht. Immer mehr Investoren führen ihre Aktiengeschäfte lieber "over the counter" aus. Auch die Dark Pools, in denen Investoren, Fonds und Zocker ihre Wertpapierdeals abwickeln, ohne dabei ihre Identität offenlegen zu müssen, werden mehr. Sie graben Wall Street & Co das Wasser ab.

Um kompetitiv zu bleiben, versuchen klassische Börsen, mit Größe zu punkten. Auf der technischen Seite sind solche Fusionen sinnvoll. Mit einem einheitlichen Handelssystem, das Aufträge schnell und günstig abwickelt, könnte es schon gelingen, Investoren an traditionelle Handelsplätze zu binden - vor allem, wenn diese hohe Sicherheitsstandards bieten. Ein Absturz wie im Mai 2010 an der New Yorker Börse - der Dow Jones stürzte binnen Minuten um mehr als 600 Punkte ab - wäre mit dem Xetra-Handelssystem der Deutschen Börse in Frankfurt, mit der sie sich vereinigen will, nicht passiert. Xetra löst bei heftigen Kursschwankungen automatisch Handelsstopps aus.

Ob sich Anleger allein von der Marktmacht beeindrucken lassen, wird sich auf der Abwicklungsseite zeigen. Denn blitzschnelle Technologie nützt nichts, wenn Aufträge der Händler liegenbleiben. Und dass eine Mega-Börse ohne ernstzunehmende Konkurrenz die Transaktionskosten für ihre Kunden senkt, das klingt nach Wunschdenken. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2011)

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