Vorratsdatenspeicherung

Politik der Abstoßung

15. Februar 2011, 18:21

Rot und Schwarz bringen gemeinsam anscheinend nichts auf Anhieb oder termingerecht zustande

Sie kommt, sie kommt nicht oder doch oder nur ein bisschen - der Streit um die Vorratsdatenspeicherung wirft wieder einmal die Frage auf, ob in der österreichischen Regierung nicht Koalition mit Opposition verwechselt wird. Rot und Schwarz bringen gemeinsam anscheinend nichts auf Anhieb oder termingerecht zustande. Ministerien unterschiedlicher Coleurs verhalten sich wie gleichnamige Pole eines Magnets.

Wobei im Fall der vorerst geplatzten Speicherung von Telekommunikationsdaten für die Polizeifahndung erschwerend hinzukommt, dass das Problem der politischen Beschlussfassung ja nicht erst seit gestern besteht. Die entsprechende Richtlinie hat der EU-Rat nämlich schon im Jahr 2006 beschlossen. Im vergangenen Sommer gab es dann eine Rüge des Europäischen Gerichtshofs, weil sich Österreich vier Jahre lang die Zeit mit Däumchendrehen vertrieben hatte. Pardon, die hohe Politik war ja in dieser Zeit mit sich selbst und also zwei Nationalratswahlen beschäftigt. Nun droht der Alpenrepublik jedenfalls eine saftige EU-Millionenstrafe, wenn es bis zum Frühjahr keine politische Einigung zur Vorratsdatenspeicherung gibt.

Und wie reagiert nun - nach fast fünfjähriger Vorlaufzeit für eine Vorratsdatenspeicherung - der Chef dieser seltsamen Anstalt? "Ich gehe davon aus, dass die zuständigen Regierungsmitglieder die Gespräche in den nächsten Tagen vorantreiben." Guten Morgen, Herr Bundeskanzler. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2011)

Kommentar posten
24 Postings
Londo Mollari
 
00
16.2.2011, 10:12
die richtlinie wird eh überarbeitet

das passt schon dass wir mal nix machen. ich glaube sogra, in diesem fall absichtlich!

Reich sein muss sich lohnen!
011
16.2.2011, 10:55
Nur gehört diese Richtlinie nicht überarbeitet

sondern ersatzlos zurückgenommen.

Denkfreiheit
04
16.2.2011, 08:54
Was bringt uns Bürger die totale Überwachung?

Archipel Gulag!

Wer sich mit Grokonellen einlässt wacht mit Ketten auf.

nacktduscher
03
16.2.2011, 08:36

die lethargie dieser regierung ist mir in diesen fall ausnahmweise sogar sympathisch.

Bertel Mann
02
16.2.2011, 06:54
Wenn's gegen Faymann und in den A... der EU geht, spielen für den Standard so komische Dinge wie Datenschutz, Überwachung, Generalverdacht etc. keine Rolle mehr

FatFaceRicky
08
16.2.2011, 02:29

Ein gutes Beispiel, wie entäuschend die österreichische Medienlandschaft ist. 2005/6 hat keine Sau über das Thema berichtet. Wer hat dieses gesetz lanziert? Wer war hat dafür/dagegen lobbyiert usw.usf? Für solche Infos muss man schon EuropeanVoice oder EU-Observer lesen, in Ö gibts schlicht und einfach NULL EU-Berichterstattung.

Eigentlich müsste jede Zeitung ein Team in Brüssel sitzen haben, sich permanent damit ausseinandersetzten, was in der Kommission, dem Parlament und den Lobbies läuft. Der ORF bräuchte zusätzlich neben dem Parlaments-Magazin noch ein ähnliches EU-Format.

Die Entscheidungsfindung auf EU-Ebene läuft weitgehend ohne Öffentlichkeit ab, und das ist zu 100% ein Versagen des öst. Journalismus.

Keyser
01
16.2.2011, 10:10

Und auch über die diversen Treffen dazu wurde da nicht berichtet. Es ist alles ganz klar dokumentiert gewesen, von den ersten Plänen, bis hin zum Endstadium wo die Umsetzung beschlossen wurde.

Aber die "dumme Masse vor dem TV" darf soetwas natürlich nicht erfahren, es könnte sich ja vllt. jemand bequemen, dagegen aufzustehen. Naja, hoffentlich verhält sich die Chaotentruppe weiter so - dann zahlt Österreich zwar wieder eine Strafe, aber diesmal wenigstens für eine richtige Sache: Gegen den Überwachsungswahnsinn.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
02
16.2.2011, 00:32
Ginge es nur um die Steuernummern

- oh, wait - ich meine: ginge es nur um die *Bürger*, hätte die Regierung das gigantische Datenbankenprojekt längst maximal effektiv umgesetzt und die brutalstmögliche Totalüberwachung in Gang gesetzt.

Die Parteien haben aber noch keine Lösung dafür entwickelt, wie sie ihre korrupten Geschäftchen künftig so abwickeln können, ohne daß ihre sämtlichen Kommunikationsdaten erfasst und bevorratet werden.

Hold in mind: zum Schutze der Bürger ist die Regierung nicht untätig geblieben.

Sie vesucht nur, die unzähligen Seilschaften im Lande, da so lange wie möglich herauszuhalten.

Zumindest so lange, bis Parteien und andere Craporganisationen, genügend tote Briefkästen eingerichtet und flinke Kuriere rekrutiert haben.

Dann geht's los.

Erasmus von Mises
00
16.2.2011, 00:05
W T F

ernsthafte Kritik daran, dass der Staat die Vorratsdatenspcierhungs-RL noch nicht umgesetzt hat? Da werde ich glatt zum Krone-Leser bei solchen schwachsinnigen inhaltsleeren pseudokritischen Kommentaren ohne jeglichm Auseinandersetzen mit der Thematik und damit, was für eine RL der Schreiberling da schnellstmöglich umgesetzt sehen will.

der erleuchtete
02
15.2.2011, 23:34
in deutschland hat der oberste gerichtshof

klar und eindeutig GEGEN die bereits eilfertig von regierung&parlament verabschiedete vorratsdatenspeicherung entschieden... bereits voriges jahr.

isehwurscht
01
16.2.2011, 07:34

Österreich ist ein Land voller Falsch- und Blödheit. Wir müssen immer alles machen das die Obersten der EU sagen. Es gibt kaum Gegenwehr. Trauriges Land. Traurige Regierung. Alle nur korrupt. Wann wehren wir uns?

Bertel Mann
01
16.2.2011, 06:50
Auch in Rumänien hat der Verfassungsgerichtshof das entsprechende Gesetz bereits grundsätzlich(!) verworfen

http://www.vorratsdatenspeicherung.de/content/v... ew/342/79/

Wolfgang Pimminger
 
00
24.2.2011, 05:24

Das ist schon echt bemerkenswert! Danke für diese Info.

Strg-Alt-Entf
00
16.2.2011, 11:34

Besonders interessantes Detail: das rumänische Gericht hält die VDS nicht nur für unvereinbar mit der Verfassung, sondern auch mit der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Darf man das so verstehen, dass die österreichische Regierung auf die Menschenrechte ihrer eigenen Bürger pfeift?

Denial_of_Service
06
15.2.2011, 23:10

Nur in diesem einen Fall bin ich mit der Untätigkeit unserer Regierung einverstanden.
Dem Redakteur wiederum werfe ich die Untätigkeit vor, sich nicht eingehender mit der Thematik der Vorratsdatenspeicherung und deren äusserst problematischen Folgen befasst zu haben.

iohui
06
15.2.2011, 22:23
die umsetzung der vorratsspeicherung kostet auf jeden fall mehr als die strafe für die nichtumsetzung.

aber der wesentliche unterschied betrifft die menschenwürde,
die anerkennung oder mißachtung der menschenrechte durch die minister.

und natürlich gibt es einen unterschied in der dauer der erreichung des zeitpunkts, wann die regierung für uns untragbar wird, wann wir uns unweigerlich von ihr trennen werden müssen - national und unional.
und natürlich in der wahl der mittel zur umsetzung dieser trennung.
und natürlich im darauffolgenden schicksal der des amtes enthobenen
...

Bertel Mann
00
16.2.2011, 06:51
Schön formuliert...

R.Action
02
15.2.2011, 20:21

na guten Morgen Herr Redakteur! Was wären die Alternativen gewesen? Sofortige Umsetzung, wären Sie dann zufrieden?

WeltEnSTurm
00
15.2.2011, 19:37

Die "Strafen" finde ich laecherlich. Da wird ein gesamter Staat (ja, auf wen wird sich denn die Strafe auswirken? Noch mehr Sparmassnahmen?) wegen der unfaehigkeit seiner Fuehrungskraefte bestraft. Sollte eher sowas wie vorzeitige Absetzung geben, aber dann waer unser Parlament ja innerhalb von 6 Monaten leer.

Reich sein muss sich lohnen!
018
15.2.2011, 19:15
Die Vorratsdatenspeicherung sollte nicht eingeführt werden

egal wie viel uns das kostet.

Freiheit lässt sich nicht mit Geld messen.

isehwurscht
01
16.2.2011, 07:35

100%ige Zustimmung

byron sully
02
16.2.2011, 01:47
so ist es,

und dieses faschistoide gesetz sollte nicht nur beim eugh, sondern auch beim egmr eingeklagt werden.
außerdem fragt man sich schon: wieso fiel (gott sei dank) die berliner mauer, wenn man jetzt leider wieder die stasi-gesetze à la ddr von vor 1989 wiedereinführen will?

no_milk_today
00
16.2.2011, 14:34

vermutlich war man froh, dass sie gefallen war ... man hatte zwar keinen ultimativ pöhsen mehr, aber man musste sich nicht mehr als besser darstellen. also praktisch überwiegen der vorteile.
/ ironie

menschenrechte/würde ... sind eine nette floskel und verzierung am papier. *wirklich* daran gehalten hat sich wer wann wo ... durchgehend?

keinname
06
15.2.2011, 18:59

Das erste Mal, dass ich dem österreichischen Politikapparat für seine langsame Beschlussfassung danke.

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